WILD LIFE

V'00

WILD LIFE

Shinji Aoyama
J, 1997
Spielfilme, 102min,

WILD LIFE

Shinji Aoyama
J, 1997
Spielfilme, 102min,

Mit: 
Kosuke Toyohara
Hiroki Sakai
Yuna Natsuo
Rie Tsumura
Jun Kunimura
Shigeki Ijima
Drehbuch: 
Shinji Aoyama
Kumi Sato
Kamera: 
Takahide Shibanushi
Schnitt: 
Junichi Kikuchi
Musik: 
Isao Yamada
Ausstattung: 
Michiaki Takakuwa

Produktion: 
Taki Corporation
Weltvertrieb: 
Bitters End Inc.
Format: 
35 mm
Farbe

Wie in Helpless ist der Held in Wild Life ein großer, langhaariger Außenseiter, verloren in einem Meer der Sprachlosigkeit und mit den Yakuza verquickt. Die Folgen sind wieder gewalttätig, aber Ayoamas Behandlung dieses vertrauten Materials ist trockener, witziger, stärker.
Trotz seiner cartoonartigen Elemente ist Wild Life weniger eine Genreparodie als ein stilisierter Versuch, die Grenzen des Genres auszudehnen. Er bietet zwar ein paar Lacher, ein paar Schauder und ein paar neue Wendungen in Bezug auf die Konventionen des Yakuza-Genres, aber eigentlich erforscht der Film breiter angelegte Themen wie die Unvorhersehbarkeit des Lebens und die Flüchtigkeit der Wahrheit. Der Film will eine existenzielle schwarze Komödie sein, mit dem Punch eines Thrillers. Der Titel ist halbironisch. Der Held, Hiroki Sakai, ist ein kugishi, jemand, der professionell die Nadeln bei den Pachinko-Spielautomaten einstellt. Sein Leben ist zur langweiligen Routine geworden. Sakai ist phlegmatisch und mag sich selbst nicht besonders; er nimmt seine Existenz als gegeben hin, bis er von ein paar Schatten aus der Vergangenheit aus seiner Lethargie gerissen wird. Einer davon ist Mizuguchi, ein dünner, nervöser Mann, der einst für Sakais Boss Tsumura einen Spielsalon geleitet, aber den Job hingeschmissen hatte, er von Yakuza-Schlägern beraubt und verprügelt worden war. Jetzt sinnt er auf Rache und will, dass Sakai ihm dabei hilft. Ein weiterer ist Rie, die Tochter seines Chefs, die zu einer großäugigen, sexy Frau geworden ist, seit er sie vor sechs Jahren das letzte Mal gesehen hat. Sie will ihre Bekanntschaft mit Sakai erneuern, trotz des Widerstands eines nörgeligen Boyfriends. Ohne genau zu wissen, warum, wird Sakai zur Zielscheibe eines mächtigen Yakuza. Dieser ist überzeugt, Sakai sei im Besitz eines mysteriösen Umschlags und eines belastenden Videos. Obwohl er klugerweise versucht, sich aus den Schwierigkeiten heraus zu halten, muss Sakai handeln, als Tsumura von den Yakuza entführt wird und die Polizei sich weigert, einzugreifen. Sakai stellt fest, dass die «Guten», darunter sein Chef, durchaus Flecken auf ihren weißen Westen haben und dass die Wahrheit in dieser komplizierten Angelegenheit sich ganz anders darstellt, als es den Anschein hat. Aoyamas stilistische Effekte sind genial. In einer Verhörszene macht die Kamera eine 360°-Kreisfahrt, zeigt zuerst den Polizisten, dann den Befragten, fährt um die beiden herum wie auf einem surrealen Karrussell, während die Fragen des Polizisten und die Antworten des Verhörten perfekt zusammenpassen. Der Polizist erreicht zwar nichts, aber Aoyama ist seit Helpless einen weiten Weg gegangen. (Mark Schilling)