VERLASSEN; VERLOREN; EINSAM; KALT

V'02

VERLASSEN; VERLOREN; EINSAM; KALT

(MISSA SOLEMNIS)

Klaus Wyborny
BRD, 1985
80min, kein Dialog

VERLASSEN; VERLOREN; EINSAM; KALT

Klaus Wyborny
BRD, 1985
, 80min, kein Dialog

Drehbuch: 
Klaus Wyborny
Ton: 
Marion Kollbach
Kamera: 
Klaus Wyborny
Schnitt: 
Klaus Wyborny
Musik: 
Ludwig van Beethoven
mit Einsprengseln von Klaus Wyborny

Produktion: 
Typee-Film Rungholt 1122149 Hamburg, Deutschland T 40 677 32 15 atypee@aol.com
Weltvertrieb: 
Typee-Film Rungholt 1122149 Hamburg, Deutschland T 40 677 32 15 atypee@aol.com
Verleih in Österreich: 
16mm/1:1,33/Farbe
Format: 
16 mm
Farbe

Der Film versucht die europäische Kolonialisierung der Welt zwischen 1550 und 1914 zu beschreiben. Ort der Handlung ist das englische Empire in Afrika. Dabei wird Beethovens «Missa Solemnis» als eine Art Metapher für den europäischen Willen zum Beherrschen der Welt verwendet. So wie es das kreative Genie Beethovens schafft, die Masse an Solisten, Chor und Orchester durch Noten und Strukturen zu koordinieren und zu organisieren, so kommt die Fähigkeit zur Koordination im wirtschaftlich und politischen Beherrschen der Welt auf anderer Ebene zum Tragen. 1. Teil: Potpourri. Im Rahmen des Films bildet dieser Teil eine Art Ouvertüre, in der die geostrategische Situation abgesteckt wird hier die industriellen Ressourcen: Manchester, Newcastle, Greenock, Liverpool, dort die zu besetzenden Gebiete und potenziellen Märkte: der Nil, Suez, Nairobi. 2. Teil: Realistisches Intermezzo. In ihm wird der einzige Konkurrent Europas in diesem Bereich beschrieben, die arabische Kultur, die sich christlichem Einfühlungsvermögen weiterhin verschließen wird. Deshalb ist die Missa in diesem Teil auch nicht zu hören. Stattdessen gibt es Originalton und als Musik Klaviergeklimper, das einem bloßen Betrachten der Welt entspricht und nicht versucht, die Bildwelt in den Sog des eigenen Ausdrucks hineinzuziehen. 3. Teil: Gloria. In diesem Teil fällt das christliche Sentiment über die Hütten Afrikas her und zieht es in seinen Zusammenhang, bis sich in der großen Fuge des Gloria seine andere Natur offenbart: Die Musik wirkt auf einmal wie ein riesiges Rad, das Afrika überrollt, das dortige Leben zerquetscht und zum Teil einer gewaltigen Struktur macht. 4. Teil: Sanctus. Hier werden die Orte, von denen einst die Beherrschung der Welt ausging, noch einmal heilig gesprochen, doch das stolz vibrierende Sentiment des Benedictus trifft nur auf verfallene Fabrikhallen und Häfen, auf eine geprügelte Erde, die zum Opfer ihres Ehrgeizes geworden ist. 5. Teil: Agnus Dei. In diesem Teil sind neben den Hütten der Einwohner auch die Resultate der Europäisierung Afrikas zu sehen, Straßen, ländliche Urbanität und Spuren einer Industrialisierung, die rührend halbherzig und gleichzeitig brutal ist. Empört versucht eine Klaviermusik gegen das Mitgefühl der Beethovenschen Musik anzugehen, bis schließlich auch sie in einer Kakophonie ihrer Bestürzung über den Zustand der Welt Ausdruck verleiht. Afrika ist überall! (Klaus Wyborny)