PROLETARISCHES KINO: PROGRAMM 12 - FRITZ ROSENFELD 1

V'07

PROLETARISCHES KINO: PROGRAMM 12 - FRITZ ROSENFELD 1


101min,

PROLETARISCHES KINO: PROGRAMM 12 - FRITZ ROSENFELD 1


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Combat de boxe , nach einem Gedicht von Paul Werrie, bringt Gegensätzliches in Stellung. Bilder, positiv und negativ, in doppelter Belichtung, kurz geschnitten, zum Stakkato sich steigernd: ein Film wie ein Boxkampf. Durch einen schwarz abgekaschten Bildtunnel gehen die Boxer in den Ring. Ein schweres Grubenunglück, das sich am 10. März 1906 auf der Zeche der Compagnie de Courrières im nordfranzösischen Kohlerevier ereignete, inspirierte G.W. Pabst zu seinem bedeutendsten Werk: Kameradschaft , ein im Sinne der friedlichen Verständigung zwischen den Völkern gedrehtes «pazifistisches Manifest», das den mehr als tausend bei einer Explosion unter Tage ums Leben gekommenen französischen Grubenarbeitern wie auch den aus Deutschland herbeigeeilten Rettern ein Denkmal setzt. Der «Held» dieses Filmes sind die Bergleute, die deutschen wie die französischen. Aus ihren Reihen hebt der Regisseur nur ein halbes Dutzend heraus, deren Schicksal uns besonders nahegebracht wird: Ein alter Bergmann sucht in der Grube seinen verschütteten Enkel, ein junger Franzose will den Freund retten, der die Schwester liebt, die drei Deutschen machen sich auf eigene Faust an das Kameradschaftswerk der Rettung. Die Bewohner eines Bergarbeiterdorfes an der Grenze sind die Darsteller; Bergarbeiterfrauen spielen Bergarbeiterfrauen, Kumpel spielen Kumpel. Die Schauspieler unter ihnen (...) bleiben im Hintergrund; es geht hier nicht um Starruhm, nicht um die Eitelkeit eines Darstellers, sondern nur um eine große Idee . Diese Idee hat auch den Regisseur zu einer wahrhaft bewunderungswürdigen Leistung emporgerissen. Pabst vermeidet die technischen Virtuosenkunststückchen, zu denen die Inszenierung einer Bergwerkskatastrophe verleiten könnte, ebenso wie das Pathos des Wortes und der Geste in den Verbrüderungsszenen. Dennoch sind die Bilder des einstürzenden Schachtes, des berstenden Gebälkes, des hereinbrechenden Grundwassers, der aufwirbelnden Wolken von Staub und Rauch eindruckswuchtig gestellt; die Technik ist vollkommen, aber sie triumphiert nicht über den menschlichen Inhalt des Filmes. (Fritz Rosenfeld)

Combat de boxe Belgien 1927, Regie: Charles Dekeukeleire, Kamera: Antoine Castille, Darsteller: André (Saint-)Germain, Henri Dupont, Sébastien Demy, Pierre Bourgeois, 35mm/stumm/Schwarzweiß, 9 Minuten

Kameradschaft (La Tragédie de la mine) Deutschland/Frankreich 1931, Regie: G.W. Pabst, Drehbuch: Laszlo Vajda, Karl Otten, Peter Martin Lampel, Anna Gmeyner (ungenannt) nach einer Idee von Karl Otten, Kamera: Fritz Arno Wagner, Robert Baberske, Schnitt: Hans Oser, Ton: Adolf Jansen, Ausstattung: Ernö Metzner, Karl Vollbrecht, Regieassistenz: Herbert Rappaport, Darsteller: Ernst Busch, Alexander Granach, Fritz Kampers, Gustav Püttjer, Elisabeth Wendt, Oskar Höcker, Daniel Mendaille, Andrée Ducret, Produktion: Seymour Nebenzahl, Nero-Film AG, Berlin, Gaumont-Franco-Film Aubert, Paris 35mm/Ton/Schwarzweiß, 92 Minuten