NANJING LU

V'06

NANJING LU

LIVING IN NANKING ROAD

Zhao Dayong, Li Qing
VR China, 2006
Dokumentarfilme, 98min, OmeU

NANJING LU

Zhao Dayong, Li Qing
VR China, 2006
Dokumentarfilme, 98min, OmeU

Ton: 
Zhao Dayong
Kamera: 
Zhao Dayong
Schnitt: 
Zhao Dayong
Produktion: 
Zhao Dayong Room 911, Jing Jun Hua Ting, No. 788 Bin Jiang Dong Lu Guangzhou, China T 20 34320676 dayongzhao@126.com
Weltvertrieb: 
Zhao Dayong Room 911, Jing Jun Hua Ting, No. 788 Bin Jiang Dong Lu Guangzhou, China T 20 34320676 dayongzhao@126.com
Format: 
Video (Betacam SP)
Farbe

Die Nanjing Lu (Nanking Road) ist die größte Einkaufsstraße auf dem chinesischen Festland und seit den großen Tagen Shanghais das Prunkstück der Stadt. Heute ist sie das rastlose, neonüberflutete Zentrum des neokapitalistischen China, mit einem nicht abreißen wollenden Strom an kaufwilligen und vergnügungssüchtigen Einheimischen und Touristen. Der Film von Zhao Dayong und Li Qing interessiert sich nicht für diese Tatsache. Hier geht es um diejenigen, die «von» der Nanjing Lu leben - Müllsammler, Bettler, kleine Diebe, die im Schatten der Hochhausfassaden und glitzernden Einkaufstempel ihr Dasein fristen. Dabei erfüllen sie auf bizarre Weise eine wichtige umwelthygienische Funktion, denn einen Großteil ihres Einkommens bestreiten sie dadurch, dass sie PET-Flaschen, die modernen Geißeln der Menschheit, sammeln, recyceln und an Zwischenhändler weiterverkaufen, die sie ihrerseits an die Industrie zurückgeben. Würden sie das nicht machen, würde die Stadt mit ihren Menschenmassen wahrscheinlich den Umwelt-Kollaps erleiden. Genauso verfahren sie mit den Bergen von Kartons, die die Einkaufsmeile säumen. Zhao Dayong und Li Qing fokussieren dabei auf eine Handvoll von Überlebenskünstlern, die meist nur den Namen der Provinz tragen, aus der sie kommen (Anhui, Hubei, Dongbei), und auf den Straßenphilosophen «Big Fatty», der einige bemerkenswerte Weisheiten beizusteuern hat: «Mao Zedong war ein großer Mann, aber das Mobiltelefon hat er nicht mehr erlebt.» Sie berichten, wie sie in Shanghai ankamen, den Kopf und das Herz voller Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben. Während im Hintergrund die gut betuchten Shopper vorbeiflanieren, erzählen Heipi und seine Mitstreiter von den neuen Großkapitalisten, die ihre Arbeiter um den gerechten Lohn prellen, von den Schikanen der Polizei und vom täglichen Kampf um die besten Plätze in der sozialen Unterliga. So entsteht das ergreifende Porträt einer Parallelwelt, die mit dem Image vom Wirtschaftswunderland China nichts gemein hat. (Andreas Ungerböck)