NAJA NO MURA

V'98

NAJA NO MURA

NADJA'S VILLAGE

Seiichi Motohashi
J, 1997
Dokumentarfilme, 118min,

NAJA NO MURA

Seiichi Motohashi
J, 1997
Dokumentarfilme, 118min,

Mit: 
Erzähler
Shoichi Ozawa
Drehbuch: 
Seiichi Motohashi
Ton: 
Nobuyuki Kikuchi
Osamu Takizawa
Kamera: 
Masafumi Ichinose
Schnitt: 
Makoto Sato
Musik: 
Hitoshi Komuro

Produktion: 
Sosna Film
Weltvertrieb: 
Gold View Co. Ltd.
Format: 
35 mm
Farbe

In den frühen Morgenstunden des 26. April 1986 explodierte das Atomkraftwerk Tschernobyl. Kurz nach der Explosion verteilte ein einsetzender starker Wind Radioaktivität über das gesamte Gebiet und verseuchte auch den Landstrich Gomel in Weißrussland. Fast alle der dreihundert dort lebenden Familien wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Nur sechs Familien blieben zurück, weil sie meinten, "nicht einfach davonlaufen zu können". In der weiten, kontaminierten Ebene Weißrusslands führen sie ihr eigenes, abgeschottetes Leben. Nadja, acht Jahre alt, wurde nach der Katastrophe geboren. Im Frühling breiten sich grüne Felder vor ihr aus, und im Sommer hilft sie bei der Getreideernte. Danach beginnt der lange, harte Winter. Seiichi Motohashi fuhr 1991 zum ersten Mal nach Tschernobyl. Er besuchte sowohl den Reaktor 4 des Atomkraftwerks als auch die Krankenhäuser in der verseuchten Region. Seit fünf Jahren fährt er immer wieder zum Ort des Geschehens und fotografiert die Menschen, die sich der Katastrophe mit dem Mut der Verzweiflung entgegenstellen. Da er glaubt, dass "Film nur aus der engen Beziehung zur Wirklichkeit entstehen kann", hat er längere Zeit bei ihnen gewohnt und dabei festgestellt, dass sie trotz der immensen Alltagsschwierigkeiten und der radioaktiven Gefahr, der sie ständig ausgesetzt sind, ein erfülltes Leben haben. In Naja no mura hat er es dokumentiert, mit dem scharfen, distanzierten Blick des Fotografen und dem Engagement des Regisseurs für das ungewöhnliche Schicksal der Menschen.

Zwei Katastrophen führten in diesem Jahrhundert exemplarisch den Machbarkeitswahn der technologischen Ära ad absurdum: der Untergang der Titanic und das Fiasko in Tschernobyl. Doch während sich die Titanic blendend dazu eignet, in einem breit angelegten disaster movie mit Glanz und Glamour abzusaufen, wird Tschernobyl wohl niemanden zu einem romantischen Epos inspirieren. Dem Stoff angemessen scheint ein Dokumentarfilm wie Naja no mura, in dem Regisseur Seiichi Motohashi das Thema aus der Perspektive der achtjährigen Nadja beleuchtet. (Jürgen Veile)