MANGE TA SOUPE

V'07

MANGE TA SOUPE

Mathieu Amalric
F, 1997
Spielfilme, 70min, OmeU

MANGE TA SOUPE

Mathieu Amalric
F, 1997
Spielfilme, 70min, OmeU

Mit: 
Jean-Yves Dubois
Sohn
Adriana Asti
Mutter
Jeanne Balibar
Tochter
László Szabó
Vater
Drehbuch: 
Mathieu Amalric
Pascale Ferran
Jeanne Balibar
Ton: 
Frédéric de Ravignan
Nicolas Favre
Kamera: 
Mathieu Poirot-Delpech
Schnitt: 
François Gedigier
Laurence Briaud

Produktion: 
Why Not Productions 3 rue Paillet 75005 Paris, Frankreich T 1 482 42 45 0 contact@whynotproductions.fr
Weltvertrieb: 
Why Not Productions 3 rue Paillet 75005 Paris, Frankreich T 1 482 42 45 0 contact@whynotproductions.fr
Format: 
35 mm
Farbe

Parallel zu seiner erfolgreichen Karriere als Schauspieler hat Mathieu Amalric auch eine Laufbahn als Filmemacher begonnen. Sein Regiedebüt Mange ta soupe, dessen Drehbuch von ihm selbst, Pascale Ferran und Jeanne Balibar stammt, ist ein Kind dieser doppelten Karriere. Mange ta soupe ist ein Familienfilm mit erstaunlichen Wendungen, in dem der anfänglich noch nervenstarke Held (Jean-Yves Dubois) seiner Mutter einen Besuch abstattet. Schon der autoritäre Ton des Filmtitels kündigt die Schwierigkeiten an: Aus dem geplanten Kurzaufenthalt wird eine längere Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, bald kommt die Schwester (Jeanne Balibar) mit ihrem Kind dazu, schließlich noch der geschiedene Journalistenvater des Helden. Doch jede Idee eines neuen familiären Idylls wird gleich wieder zunichte gemacht: mit alten Überempfindlichkeiten, mütterlichen Ohrfeigen, ausuferndem Gebrüll oder, noch effektiver, mit kaltem Wasser, das sich aus dem Gartenschlauch über den Frühstückstisch ergießt. Es ist das Gegenbild zu den Familienfilmen eines Feel-Good-Kinos, hier wird kein Konflikt in solidarisches Wohlgefallen überführt. Die Literaturkritikerin lebt zwischen ungeheuren Büchermengen, die ihr ganzes Haus zu übernehmen drohen: Die Bände stürzen aus Regalwänden herab, legen sich in den Weg des Sohnes, vermehren sich mit jeder Postlieferung, quellen durch den Briefschlitz in den Flur. So wenig wie der Sohn die Herrschaft der Bücher überwinden kann, so wenig kann er dem dominanten Eigensinn der Mutter etwas entgegen setzen. Aus dieser Situation entsteht ein kleines, ziemlich ausgelassenes Psychodrama, mit abgeklärten, immer in die Tiefe zielenden Momenten - eine Mischung, die später auch Ferrans L ' Âge des possibles prägt. Möglich aber auch, dass für diese schwebende Stimmung autobiografische Elemente in der Erzählung verantwortlich sind: Der Vater von Mathieu Amalric arbeitete für «Libération», die Mutter für «Le Monde» als Literaturkritikerin. (Robert Weixlbaumer)