VIENNA INTERNATIONAL FILM FESTIVAL: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

I HIRED A CONTRACT KILLER

V' 08

I HIRED A CONTRACT KILLER

Aki Kaurismäki
FIN/S/GB, 1990
Spielfilme, 80min, OmdU

I HIRED A CONTRACT KILLER

Aki Kaurismäki
FIN/S/GB, 1990
Spielfilme, 80min, OmdU

Darsteller: 
Jean-Pierre Léaud
Henri
Margi Clarke
Margaret
Kenneth Colley
Der Killer
Trevor Bowen
Bürodirektor
Imogen Clare
Sekretär
Angela Walsh
Vermieterin
Cyril Epstein
Taxifahrer
Drehbuch: 
Aki Kaurismäki
Ton: 
Timo Linnasalo
Kamera: 
Timo Salminen
Schnitt: 
Aki Kaurismäki
Musik: 
Billie Holiday
Joe Strummer and The Astro-Physicians
Little Willie John
Roy Brown
Olavi Virta
Lord Beginner with Cyril Blake's Calypso Band
Carlos Gardel
Ausstattung: 
John Abden
Kostüm: 
Simon Murray

Produktion: 
Villealfa Filmproductions
Format: 
35 mm
Farbe

Aki Kaurismäki verkauft Sonnenbrillen. Mürrisch, die Haare fettig wie eh und je, wartet er neben einem Londoner Kiosk auf Kundschaft. Statt schwarzer müssten seine Brillen allerdings blaue Gläser haben: Denn I Hired a Contract Killer, Kaurismäkis erstes «postfinnisches» Werk, in London gedreht, ist ein Film in allen nur erdenklichen Blautönen, voll schwarzen Humors. Er bewegt sich «zwischen Dreyer und Melville, ohne einen von ihnen in irgendeiner Weise zu berühren», sagt Kaurismäki mit der ihm eigenen (Nach-)Lässigkeit. So kann er ohne «Berührungsängste» Serge Reggiani einen kleinen Auftritt absolvieren lassen, der in Melvilles Le Doulos (1962) eine seiner besten Rollen spielte. Auch dort ging es um einen «Contract Killer», und Melvilles graues, vom Großstadtverkehr zerschnittenes Vorort-Paris liegt gar nicht so fern von Kaurismäkis London. Von Paris nach London hat es auch Jean-Pierre Léaud verschlagen. Der einstige Liebling der Nouvelle Vague, dessen Sätze früher sprudelten wie ein Wasserfall, bleibt im Englischen wortkarg. Die fremde und feindliche Welt hat dem scheuen, kleinen Angestellten Henri die Sprache verschlagen. Alle einfachen Möglichkeiten, seinem Leben ein Ende zu setzen, sind ihm verstellt. So bleibt nur die unmögliche Lösung: I Hired a Contract Killer. Wie Léaud den Lebensmüden spielt, das hat was von einer Pantomime. Er kneift missmutig die Augen zu Schlitzen zusammen, und jede einzelne seiner sparsamen Bewegungen erscheint als mühsam sich selbst abgerungenes Zugeständnis an seine Umwelt. Doch ein anständiger Schluck Whisky, eine Schachtel filterloser Zigaretten und die Bekanntschaft mit der Rosenverkäuferin Margaret wecken plötzlich die Lebensgeister des Todgeweihten. So muss Henri dann fliehen vor seinem Blut hustenden Killer, der sich weigert, den Auftrag zu stornieren. Allein die tapfere Margaret spendet dem Gehetzten Trost: «Die Arbeiterklasse hat kein Vaterland.» (Peter Körte, Stadtkino-Programm Nr. 200)