Fantastique

V'15

Fantastique

Jean Claude Rousseau
F, 2014
6min, kein Dialog

© Viennale

Fantastique

Jean Claude Rousseau
F, 2014
, 6min, kein Dialog

Produktion: 
Jean-Claude Rousseau
Weltvertrieb: 
Jean-Claude Rousseau
Format: 
DCP
Farbe

Die Filme von Rousseau, seit Jahren regelmäßig bei der Viennale zu Gast, wirken auf den ersten Blick wie rasch entworfene Skizzen. Sie sind Momentaufnahmen in unterschiedlichen Situationen und an unterschiedlichen Orten, in diesem aus neun Miniaturen bestehenden Programm etwa in Hotelzimmern und Parkanlagen, an einem Seeufer oder auf einer Restaurantterrasse. Rousseaus Beobachtungen des Alltags sind jedoch keine der Kontemplation, sondern der Präzision. Mit jeder Minute schärfen sie den Blick des Beobachtenden und wartenden Außenseiters für den Augenblick der Überraschung – und sei es ein Sprung ins Wasser oder ein riesiges Christuskreuz.

In Anwesenheit von Jean-Claude Rousseau.

Jean-Claude Rousseau
«Die Bilder so behalten wie sie sind», meint Jean-Claude Rousseau über seine Filme, «während des Schnitts nicht nach Änderungen suchen. Die Elemente von sich aus ihren Platz finden lassen. Warten, bis sie unter dem Einfluss des Lichts seine Form finden. Die Schönheit erscheint nicht da, wo man sie sucht. Ihre Entdeckung ist immer überraschend.» Rousseau, geboren 1946 in Paris ist eine im französischen Gegenwartskino singuläre Erscheinung. Seine Arbeiten, die seit vielen Jahren regelmäßig bei der Viennale zu sehen sind, bewegen sich nahezu selbstvergessen mit eigenen Gesetzen durch Zeit und Raum, verwischen die Grenzen zwischen Experimentellem, Dokumentarischem und Erzählerischem. Immer sind seine überwiegend kurzen, oft nur wenige Minuten dauernden Filme höchst persönlich, aber zugleich von feiner Diskretion. Rousseaus Kino – oder nennen wir es: Sicht auf die Welt – ist geprägt von meist starren Einstellungen, die ständigen Veränderungen unterworfen sind, und die sich oft erst im Zuge ihrer genauen Betrachtung zeigen. Man sieht gebannt zu, wie kleine Veränderungen im Bild Großes bewirken, erfasst Details oft erst nach Minuten, beobachtet den Wechsel von Tageslicht und Atmosphäre. Dieses Motiv des Wartens – oft ist es auch Rousseau selbst, der vor der Kamera den Wartenden spielt – überträgt sich dabei direkt auf den Zuschauer: Wie Zitate wiederholen sich die Bewegungen, Gesten, Blicke, manchmal am Rande der Erstarrung, dann wieder von forscher Neugierde und Insistenz. In den Filmen Rousseaus geht es im Grunde um nichts Geringeres als um das Kino selbst: um Raum, Zeit und Bewegung. So abstrakt diese Begriffe auch im Einzelnen erscheinen mögen, in ihrer Gesamtheit erlangen sie bei Rousseau ihre Bestimmung: Ein Mensch (oder eben niemand) bewegt sich (oder eben nicht) für eine gewisse Zeit in einem Raum (oder blickt in einen anderen). Oder man kann, wie in seinem jüngsten Film TERRASSE AVEC VUE, den Ausblick auf Menschen genießen, die den Ausblick genießen. Oder auch dafür keinen Blick haben.