AUTO FOCUS

V' 02

AUTO FOCUS

Paul Schrader
USA, 2002
Spielfilme, 107min, OF

AUTO FOCUS

Paul Schrader
USA, 2002
Spielfilme, 107min, OF

Mit: 
Greg Kinnear
Bob Crane
Willem Dafoe
John Carpenter
Maria Bello
Sigrid Valdis
Rita Wilson
Anne Crane
Ron Leibman
Lenny
Bruce Solomon
Feldman
Michael E. Rodgers
Richard Dawson
Kurt Fuller
Klemperer/ Col. Klink
Christopher Neiman
Robert Clary/LeBeau
Lyle Kanouse
John Banner/ Sgt. Schultz
Ed Begley Jr.
Mel Rosen
Drehbuch: 
Michael Gerbosi nach dem Buch «The Murder of Bob Crane» von Robert Graysmith
Ton: 
Mike Baumann
Kamera: 
Fred Murphy
Schnitt: 
Kristina Boden
Musik: 
Angelo Badalamenti
Ausstattung: 
James Chinlund
Kostüm: 
Julie Weiss

Produktion: 
Propaganda Films 941 N. Mansfield Avenue Los Angeles, CA 90038, USA T 323 463 9451, F 323 462 7172
Weltvertrieb: 
Sony Pictures Classics 550 Madison Avenue, 8th floor New York, NY 10022, USA T 212 833 8500, F 833 79 11
Verleih in Österreich: 
Columbia TriStar Laxenburgerstraße 254, 1239 Wien T 1 595 15 15, F 1 595 15 16
Format: 
35 mm
Farbe

Leben und Tod des Schauspielers Bob Crane sind tragische Beispiele einer amerikanischen Erfolgsstory, die auf katastrophale Weise schiefging. Nachdem er als populärer Radiomoderator gearbeitet und einige Gastauftritte im Fernsehen absolviert hatte, war Bob bereit, sich kopfüber in eine Hollywood-Karriere zu stürzen. 1965 gelang es ihm tatsächlich, die Hauptrolle in der TV-Serie Hogans Heroes zu ergattern. Sein plötzlicher Ruhm und seine harmlose Nice-Guy-Persönlichkeit öffneten ihm eine Menge Türen, durch die ihn sein neuer Kumpel John Carpenter [nicht der bekannte Regisseur], gespielt von Willem Dafoe auf unnachahmlich unheimliche Weise führte. Bob Crane hält auch dann noch an seinem Selbstbild, ein harmloser Typ «ich rauche nicht, ich trinke nicht» zu sein, fest, als ihn Carpenter zu nächtlichen Sex-Parties mitschleppt und seine anfänglichen Bedenken zerstreut, in dem er ihm ein Stück neue Technologie in die Hand drückt: eine Videokamera. Bob ist zu naiv, um zu bemerken, dass diese Parties sich zu Orgien auswachsen, und dass sein Privatleben mit Frau und Kindern seinem zögerlichen Griff entgleitet. Er bewegt sich auf einen Zustand zu, in dem die Tage nur noch lästige Anhängsel seiner nächtlichen Eskapaden sind. Auto Focus basiert auf Robert Graysmiths Biografie und seinem Bericht über den bis heute ungeklärten Mord an Bob Crane im Jahr 1978. Meistererzähler Paul Schrader drehte einen dunklen, faszinierenden Film über einen Mann, der von den Zwängen zerstört wird, die er behauptet, nicht wahrzunehmen. Schraders Filme sind bevölkert mit Figuren, die von selbstzerstörerischen Leidenschaften besessen sind. Auto Focus ist vielleicht seine lebendigste Schilderung des Prozesses, der einsetzt, wenn diese Probleme das Leben von Menschen, die zu naiv oder zu obsessiv sind, überschatten. Schraders Aufarbeitung eines Hollywood-Mythos enthält wahnsinnig komische Szenen aus Hogans Heroes, die mit Bobs zunehmend bizarrem Nachtleben kontrastieren. Je mehr sich die Teufelskreise schließen, desto mehr verschwinden die bunten Sixties-Farben, und eine dunklere Tönung greift Platz. Schraders wohl dosierter Sinn für Ironie und Tragik manifestiert sich besonders dann, wenn Bobs unaufhaltsamer Abstieg beginnt. Wie man es von einem so renommierten Regisseur erwarten kann, ist Auto Focus ein durch und durch befriedigendes Kinoerlebnis. (Piers Handling)