AMANTS RÉGULIERS

V'08

LES AMANTS RÉGULIERS

Philippe Garrel
F, 2005
Spielfilme, 178min, OmdU

LES AMANTS RÉGULIERS

Philippe Garrel
F, 2005
Spielfilme, 178min, OmdU

Mit: 
Louis Garrel
François
Clotilde Hesme
Lilie
Mathieu Genet
Nicolas Bridet
Eric Rulliat
Drehbuch: 
Philippe Garrel
Ton: 
Alain Villeval
Kamera: 
William Lubtchansky
Schnitt: 
Françoise Collin
Musik: 
Jean-Claude Vannier
Ausstattung: 
Mathieu Menut
Kostüm: 
Justine Pearce
Cecile Berges

Produktion: 
Maïa Films
Verleih in Österreich: 
Stadtkino Filmverleih Spittelberggasse 3/3 1070 Wien T 1 522 48 14 office@stadtkinowien.at
Format: 
35 mm
Schwarz/Weiß

Eine erste gelungene Auseinandersetzung mit dem Mai 68 im Kino: Der Film, der in Venedig zu Recht mit einem Silbernen Löwen belohnt wurde, ist vor allem die poetische Aufzeichnung der Auswirkungen des Aufruhrs auf besondere Personen. Gipfel und gleichzeitig Bruch im Werk von Philippe Garrel. Der Film schwingt sich hoch - wie die jungen Leute zu Beginn die Treppe hinauf. In einem schlecht beleuchteten Dienstbotenzimmer sitzen sie dann so nah beieinander, dass sie kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. (...) Und da geht es los. Der Mai, die Nacht, die Barrikaden, das Feuer, die umgestürzten Autos, die Freunde, denen man in seltsamer Kriegsaufmachung wieder begegnet, die Polizei, die mit der Kamera ebensosehr auf Distanz gehalten wird wie mit fliegenden Pflastersteinen. (Es stellt ein Problem dar, wenn die Polizei in Aktion fotogener ist als jene, die sie bekämpft.) Wir haben da einen Film von einer knappen halben Stunde vor uns, der eine Art Meisterwerk ist und Les Espérances de feu («Hoffnungen voll Feuer») heißt. In Les Amants réguliers nimmt er den Status eines Kapitels ein, aber er ist deutlich mehr. Eine Art Bruch oder Vollendung im Kino des Philippe Garrel. Ein Kino, dessen Umfang von 25 Filmen, dessen stilistische und thematische Vielfalt, dessen Entwicklungen im Laufe der vier Jahrzehnte trotz allem ein gemeinsames cinematographisches Prinzip entdecken lassen: das der Schockwelle. Bei aller grundlegenden Verschiedenheit begleiten alle Arbeiten Garrels die Auswirkungen eines Ereignisses, einer Krise, eines Schockerlebnisses, das sich abseits der Kamera ereignet hat. Dieses Mal passiert dieser Initialschock erstmals auf der Leinwand, im Laufe des Films. Dieser Schock resultiert aus der Tatsache des historischen Ereignisses, das unter dem Namen Mai 68 bekannt ist, aber es geht nicht um das historische Ereignis selbst in seiner großen Komplexität. Weder die politischen Herausforderungen von damals - zweifelhafte Herausforderung (bestand die Möglichkeit zur Revolution?) - noch die soziologischen Auswirkungen (diese sind offensichtlich und enorm) spielen in Garrels Film eine Rolle. Es ist die individuelle Erfahrung extremer Gefühlszustände. (Jean-Michel Frodon, «Cahiers du cinéma», 605/2005, Stadtkino-Programm Nr. 425)