AMANTS RÉGULIERS

V'05

LES AMANTS RÉGULIERS

Philippe Garrel
F/I, 2005
Spielfilme, 178min, OmdU

LES AMANTS RÉGULIERS

Philippe Garrel
F/I, 2005
Spielfilme, 178min, OmdU

Mit: 
Louis Garrel
François
Clotilde Hesme
Lilie
Mathieu Genet
Nicolas Bridet
Eric Rulliat
Drehbuch: 
Philippe Garrel
Ton: 
Alain Villeval
Kamera: 
William Lubtchansky
Schnitt: 
Françoise Collin
Musik: 
Jean-Claude Vannier
Ausstattung: 
Mathieu Menut
Kostüm: 
Justine Pearce
Cecile Berges

Produktion: 
Maïa Films 9 rue René Boulanger 75010 Paris, Frankreich T 1 53782 5400 maiafilms@maiafilms.com
Weltvertrieb: 
Films Distribution 20 rue Saint Augustin 75002 Paris, Frankreich T 1 5310 3399, wisnia@filmsdistribution.com
Verleih in Österreich: 
Stadtkino Filmverleih Spittelberggasse 3/3 1070 Wien T 1 522 48 14, office@stadtkinowien.at
Format: 
35 mm
Schwarz/Weiß

Philippe Garrel besichtigt mit Les Amants réguliers das Jahr 1968 neu. Bernardo Bertolucci versuchte mit I Sognatori vor zwei Jahren etwas Ähnliches der spielte ebenfalls Ende der 60er Jahre in Paris. Mit I Sognatori verstand es Bertolucci, die heimlichen Nostalgien einstiger Revolutionäre genauso zu bedienen wie die Eitelkeit der Cinephilen, die die Filmzitate zu entschlüsseln wussten. Eine feine Ironie ist daran aus heutiger Sicht, dass Louis Garrel, der Sohn Philippe Garrels, damals eine der drei Hauptfiguren verkörperte. Und nun ist er François, die Hauptfigur in Les Amants réguliers . Der Unterschied ist freilich, dass Les Amants réguliers die Antithese zu Bertoluccis Opulenz ist eine dreistündige Meditation in Schwarzweiß, die den Straßenkampf in lang stehenden Tableaus einfängt: eine Totale, links ein umgestürztes Auto, rechts die brennenden Barrikaden in der Nacht, dazwischen junge Leute, von hinten gefilmt, losgelöste Satzfetzen, Polizeisirenen in der Ferne, nach Minuten ein langsamer Schwenk. Garrel tritt den Figuren nicht zu nahe, sein Film ist diskret und damit antipsychologisch. Man erfährt nicht viel über die Protagonisten und ihre Motive, stattdessen sieht man sie wie sie einem großen Haus leben, Kunst machen, Opium rauchen. François verliebt sich in eine junge Bildhauerin, sie sich in ihn. Hin und wieder flicht Garrel eine für die Nouvelle Vague charakteristische Spielerei ein. Welches Jahr ist, zeigen Hausnummern: 68, später 69. Der Straßenkampf löst sich unvermutet in eine Sequenz auf, in der die Darsteller Kostüme aus dem Jahre 1789 tragen. Je länger Les Amants réguliers voranschreitet, umso mehr weicht das Politische einer umfassenden Müdigkeit. Ein Aktivist verabschiedet sich in den Untergrund, indem er einen Brief hinterlässt: «Ihr seid zu bourgeois.» Unschlagbar cool bleibt, wie Clotilde Hesme in Jeans, Stiefeln und weißem Männerhemd durch die Szenen geht. (Cristina Nord)