ALLEMAGNE NEUF ZÉRO

V'03

ALLEMAGNE NEUF ZÉRO

DEUTSCHLAND NEU(N) NULL

Jean-Luc Godard
F/D, 1991
62min, OmdU

ALLEMAGNE NEUF ZÉRO

Jean-Luc Godard
F/D, 1991
, 62min, OmdU

Mit: 
Eddie Constantine
Lemmy Caution
Hanns Zischler
Graf Zelten
Nathalie Kadem
Delphine de Staël
André S. Labarthe
Erzähler
Claudia Michelsen
Charlotte/Dora
Robert Wittmers
Don Quixote
Drehbuch: 
Jean-Luc Godard
Ton: 
François Musy
Pierre-Alain Besse
Kamera: 
Christophe Pollock
Andreas Erben
Stephan Brenda
Schnitt: 
Jean-Luc Godard
Musik: 
Gavin Bryars
Giacinto Scelsi
Ludwig van Beethoven
Franz Liszt
W. A. Mozart
Johann Sebastian Bach
Igor Strawinsky
Paul Hindemith
Dimitri Schostakowitsch
Ausstattung: 
Romain Goupil
Hanns Zischler
Kostüm: 
Alexandra Pitz
Julia Griep

Produktion: 
Brainstorm Productions
Weltvertrieb: 
JLG Productions
Format: 
35 mm
Farbe

Die Produzentin Nicole Ruellé lud Jean-Luc Godard ein, sich an einer Filmreihe für Antenne 2 zum Thema Einsamkeit zu beteiligen. Godard dachte beim Thema nicht an die Einsamkeit eines Individuums, sondern an die eines Volkes, eines Staates. «Ostdeutschland schien mir damals kurz vor dem Fall der Mauer ein Land großer Einsamkeit zu sein.» Als Godard zu den Dreharbeiten in die DDR fuhr, war die Mauer bereits gefallen. Vor Godards Augen und den Objektiven der von Christophe Pollock geführten 35mm-Kamera verfiel die Deutsche Demokratische Republik, und mit ihr löste sich das allmählich auf, was «real existierender Sozialismus» genannt wurde. Momente des Verfalls von Wirklichkeiten und Ansprüchen hält der Film fest. Die in der damaligen DDR aufgenommenen Bilder sind Auslöser von Gedanken und Assoziationen zur deutschen Geschichte, in der die Gewaltherrschaft, der Nationalsozialismus als «Frucht aller Jahrhunderte», wie ihn Walter Benjamin nach Auskunft von Bert Brecht bezeichnete, den Mittelpunkt bildet. Die bereits vom Titel angedeutete Analogie zu Roberto Rossellinis Germania anno zero ist nicht zu übersehen. Wie sich die von Rossellini erfundene Figur des Jungen durch die reale, von den Nazis hinterlassene Trümmerlandschaft Berlins bewegt und diese Landschaft vor der Kamera zu einer bedrohlichen Endzeitkulisse verwandelt wird (die heute wiederum als rein dokumentarisch wahrgenommen wird), wandert Godards Protagonist durch die zerfallende DDR auf der Suche nach dem Westen, der mit dem Osten zugrunde gegangen ist. (Dietrich Leder)