RETROSPEKTIVE V'13: JERRY LEWIS

Mit dem heutigen Tag läuft die diesjährige Retrosepektive von Viennale und Filmmuseum an. Gewidmet ist sie von 18. Oktober bis 24. November 2013 dem Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Jerry Lewis, einer bewegenden Figur des Überlebenskinos an den Rändern des Humors.

Relativ jung – 1926 als Joseph Levitch in Newark, New Jersey geboren – erschließt sich dieser schon die Unterhaltungskunst und steht im Alter von fünf Jahren erstmals auf der Bühne. Mit der Jugend folgen Auftritte als pantomimischer „Record Act“. Vier Jahre später trifft er Dean Martin und 1945 wird zum Auftakt einer gemeinsamen Comedian-Karriere.

Was in Varietés beginnt, nimmt bald Sendeplatz in Fernsehen und Radio ein. „The Adventures of Dean Martin and Jerry Lewis“ entgehen auch Hollywood nicht. Von Paramount lässt sich das Duo unter Vertrag nehmen, 17 Filme entstehen. Nach der Hinwendung zu Drehbuch und Kamera wird aus dem jüdischen Filmstar dann auch noch ein prägender Regisseur der amerikanischen Nachkriegszeit.

Als Schauspieler setzt er der Sprache die Metabene der mimischen Darstellung hinzu. Eine Komik der Oberfläche ist gleichzeitig Verweis auf Hinter- und Abgründe. Wo ein Lachen Vordergrund scheint, eröffnet sich der Blick auf irritierte Charaktere und Identitäten suchende Spaltwesen im Gewirr der Moderne. Nie einem One-Man-Show-Gestus verhaftet, zeigt er unabhängig von raumfüllender Leinwandpräsenz die Einsamkeit des Subjekts auf. Keine Maske der Ablenkung von emotionaler Tiefe ist das zu Witzen verzerrte Gesicht, sondern ein Finger auf die Wunden der Zeit und ihrer Bewohner.

Als Drehbuchautor und Regisseur mobilisiert er Humor und kindliche Neugierde im Befragen des Wesentlichen genauso wie das Gespür für den Witz im Einfachen für die Erforschung der Set-Geheimnisse. Nicht zuletzt deswegen, weil er in der Technik selbst einen Zauber sieht, ist sein Spiel mit dem Medium ein augenscheinlich liebevolles. Aphoristische Inszenierungen des Details rufen Schmunzeln wach und amüsieren mit Erkenntnis der menschlichen „Schwank-Natur“. Kulissen werden zum Hinweis auf die Fragilität des menschlichen Seins, schwarz-weiß gezeichnet sind sie dennoch nie.

Wer sich von den Experimenten mit der Illusion ein Bild machen und im Lachen über das Sein zu neuen Interpretationen des vermeintlich Offensichtlichen vordringen möchte, ist mit der Programmübersicht als erstem Schritt ins Kino bestens beraten. Ein erfrischter Blick auf die Gesichter unserer Gegenwart ist garantiert. (bk)

Österreichisches Filmmuseum, 1010 Wien, Augustinerstraße 1

Tel.: 01/533 70 54 • www.filmmuseum.at