© Filmarchiv Austria

PRÄSENTATION: DIE STADT OHNE JUDEN

RESTAURIERUNGSPROJEKT UND CROWD-FUNDING-INITIATIVE
PRÄSENTATION IM RAHMEN DER VIENNALE
Samstag, 22. Oktober 2016, 18 Uhr
METRO Kinokulturhaus, Historischer Saal, 1, Johannesgasse 4
Eintritt frei! Bitte Zählkarten bitte an der Kinokassa lösen.

Sensationeller Fund
Der Stummfilm DIE STADT OHNE JUDEN gilt heute als eine der wichtigsten österreichischen Produktionen der Zwischenkriegsjahre. Der nach einer Romanvorlage des jüdischen Schriftstellers und Journalisten Hugo Bettauer 1924 in Wien gedrehte Film zeigt in beklemmender Voraussicht die kulturelle und wirtschaftliche Verarmung einer Stadt nach Vertreibung der jüdischen Bevölkerung. Bisher war dieser Film allerdings nur fragmentarisch und in Bezug auf die Handlung in einer verharmlosenden
Version erhalten. Nun ist es dem Filmarchiv Austria gelungen, in Frankreich die fehlenden Teile wiederzufinden.

Die Restaurierung
Das jetzt entdeckte Material lässt DIE STADT OHNE JUDEN in neuem Licht erscheinen. Enthalten ist nun der bisher verschollene Schluss, mit den weiteren aufgefundenen Szenen wird eine offensichtlich dramaturgisch angelegte Parallel-Erzählung sichtbar. Bisher unbekannte Bilder zeigen das jüdische Leben in Wien mit klar antisemitischer Konnotation. Die berühmte expressionistische Szene mit Hans Moser als rabiatem Antisemiten ist erstmals komplett überliefert. Insgesamt wird nun die politische Aussage des Films und die Darstellung des mörderischen Antisemitismus in Wien im Gefolge des Ersten Weltkrieges wesentlich schärfer artikuliert. Nach Fertigstellung der Restaurierungsarbeiten könnte DIE STADT OHNE JUDEN, über 90 Jahre nach der Erstaufführung, erstmals wieder in einer nahezu vollständigen und authentischen Fassung präsentiert werden.

Das Crowd-Funding-Projekt
Da dieses aufwendige und kostenintensive Restaurierungsprojekt aus dem laufenden Budget nicht finanziert werden kann, hat sich das Filmarchiv Austria entschlossen, die Zivilgesellschaft im Rahmen einer groß angelegten Crowd-Funding-Initiative um
Unterstützung zu bitten. Vorrangig ist die rasche Restaurierung des neu entdeckten Nitromaterials, das schon erste Zersetzungserscheinungen aufweist. Ernst Kieninger und Nikolaus Wostry präsentieren im Rahmen der Viennale dieses außergewöhnliche Projekt zur Rettung dieses einmaligen kulturhistorischen Dokuments zur Geschichte des jüdischen Lebens und des Antisemitismus in Wien. Angesprochen wird auch die immer drängendere Frage zur nachhaltigen  icherung des österreichischen Filmerbes und dem Umgang mit der eigenen (Laufbild-)Geschichte.

DIE STADT OHNE JUDEN
Regie: Hans Karl Breslauer, A 1924
Drehbuch: H.K. Breslauer, Ida Jenbach nach dem Roman von Hugo Bettauer;
Kamera: Hugo Eywo; Darsteller: Johannes Riemann, Eugen Neufeld, Hans Moser, Gisela Werbezirk, u.a.

Die Crowd-Funding-Kampagne startet am 22. Oktober.
Mitmachen und Infos hier