Dinge des Lebens

23. Oktober 2013

Wer jetzt an Romy Schneider im gleichnamigen Film von Claude Sautet denkt, den müssen wir leider enttäuschen - der läuft nicht im diesjährigen Viennale-Programm.

Stattdessen sind andere Dinge des Lebens in den zehn Arbeiten des Sensory Ethnography Lab (Special Program) ganz von selbst präsent: Das Offensichtliche, das "zu Offensichtliche", gerade deshalb unserem Blick entzogen, wird in diesen Dokumentationen - vielmehr anthropologische Studien - zum Antrieb der Bilder. Keine Spurensuche a la Welt der Wunder, kein Ausforschen des Verborgenen, keine romantisierenden oder psychologisierenden Blicke in Herzen und Hirne, kein Interpretieren von Sinn und Bedeutung, wo diese zum Greifen nahe sind.
 
Der Reis, der auf den Boden gefallen war, die unnützen Kinder und die heiratsfähigen, die Strategien im Feld und im Haushalt: die Mutter oder Großmutter, je nachdem, die da hockt und erzählt...ihr Gang, ihre Gesten, ihr gesprochenes Wort - Momente des Alltags in einem Dorf in Nepal (AS LONG AS THERE'S BREATH)
In CHAIQIAN wird die gezielte Zerstörung eine Stadtviertels dokumentiert, Altes muss Neuem weichen und eine Wohnsiedlung wird dem Erdboden gleich gemacht. Oder auch: Altes wird gesammelt, um in den Kreislauf zurückzukehren: Außenspiegel und Auspuffrohre, Alufelgen und Lenkradsäulen, Reifen und noch mehr Reifen, in allen Dimensionen, Dächer, Böden, Fenster und Antennen: Nichts, was dieser Schrottplatz nicht bietet. (FOREIGN PARTS)

Dass vor allem auch unsere Ohren wesentlich zum Entstehen unseres Welt-Bildes beitragen, beweisen insbesondere die beiden Arbeiten SWISS MOUNTAIN TRANSPORT SYSTEMS, RADIO VERSION und DEAD ICE, die sich den klanglichen Aspekten der uns umgebenden Dinge widmen.

Weiters laufen im Special: Sensory Ethnography Lab:
STILL LIFE, THE YELLOW BANK, SWEETGRASS, MANAKAMANA sowie der Preisträger des vorjährigen STANDARD-Viennale Publikumspreises: LEVIATHAN.

Trailer zu MANAKAMANA