AMERICA IS HARD TO SEE

V'03

AMERICA IS HARD TO SEE

Emile de Antonio
USA, 1970
101min, OF

AMERICA IS HARD TO SEE

Emile de Antonio
USA, 1970
, 101min, OF

Mit: 
Senator Eugene McCarthy
Leonard Bernstein
John Kenneth Galbraith
E. W. Kenworthy
Arthur Miller
Richard Goodwin
Martin Peretz
David Hohe
Gerry Studds
Sam Brown
Arthur Herzberg
Geoffrey Sperling
Curtis Gans
Richard Nixon
Lyndon Johnson
Humbert Humphrey
Robert Kennedy
Dan Rostenkowski
Richard Daley
Paul Newman
Mit: 
Mitarbeit
Allan Siegel/Stephen Ning/Lori Hiris
Drehbuch: 
Emile de Antonio
Kamera: 
Richard Pearce
Schnitt: 
Mary Lampson

Produktion: 
March Twelve Co./Turin Film Corp.
Format: 
16 mm
Schwarz/Weiß

In America Is Hard to See untersucht de Antonio die entscheidendste politische Kampagne Amerikas Mitte des Jahrhunderts: Senator Eugene McCarthys erfolglose Bewerbung als demokratischer Präsidentschaftskandidat 1968. McCarthys Niederlage beim demokratischen Nationalkonvent 1968 bedeutete nicht nur den Sieg der Berufspolitiker über einen Außenseiter des Systems, sondern die Niederlage eines von Reflexion und Rücksichtnahme geprägten politischen Stils. Politiker, Medien und Öffentlichkeit taten sich gleichermaßen schwer mit der reservierten und nachdenklichen Haltung McCarthys. Er passte nicht in den Mainstream einer Nation, deren Hauptanliegen eine mobile Gesellschaft, moralischer Relativismus und Fortschritt um jeden Preis waren. Die amerikanische politische Bühne von heute gleicht einer riesigen Gebetsmühle. McCarthy brach aus dieser Gebetsmühle rhetorischer und sklavischer Wiederholung aus und brachte eine frische Perspektive in die Politik. Die Kernaussage seiner Kampagne war, dass er nicht nur die Resultate der politischen Maschinerie verändern wollte, sondern die Organisation und Ordnung des Systems selbst. McCarthy besitzt ein starkes Gespür für Zusammenhänge, ein Gespür dafür, dass man innerhalb eines historischen Kontexts existiert. Bevor er handelt, schaut er sich erst ein wenig um und erwägt die Konsequenzen. Dasselbe Bemühen, zum Kern einer Idee vorzudringen und die Spreu vom Weizen zu trennen, zieht sich ironischerweise auch durch das Schaffen Emile de Antonios und war zweifellos dessen Motivation, America Is Hard to See zu drehen, den ersten optimistischen oder zumindest unkritischen Film in der Karriere des Regisseurs. Mit Material aus Tausenden Metern von Archivaufnahmen, kombiniert mit seinen eigenen Interviews, stellte de Antonio einen Film zusammen, dem mehr gelingt, als nur das Wesen von McCarthys erfolgloser Kandidatur zu erfassen. Denn obwohl McCarthy letzten Endes verliert, macht das Maß an Hoffnung und Unterstützung, das der kühl-intellektuelle Senator freisetzte, den überwältigenden Eindruck des Films aus. Um die Auswirkung, die McCarthy auf das Rennen hatte, zu betonen, unterschneidet de Antonio immer wieder Aufnahmen der politischen Mitbewerber des Senators: Präsident Johnson, der den Ausgang der innerparteilichen Vorwahlen in New Hampshire herunterspielt, Senator Robert Kennedy, wie er seine Einstellung zu einer Nominierung «überdenkt». Am Ende des Films zeichnet sich ab, dass McCarthy der Katalysator für das politische Drama des Jahres 1968 gewesen war. (Deac Rossell, 1970)