V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

MACHORKA-MUFF

V' 06

MACHORKA-MUFF

Jean-Marie Straub
BRD, 1962
18min, OF

MACHORKA-MUFF

Jean-Marie Straub
BRD, 1962
, 18min, OF

Screenplay: 
Jean-Marie Straub
Danièle Huillet nach Heinrich Böll
Camera: 
Wendelin Sachtler
Editor: 
Vlado Kristl
Peter Schamoni

Production: 
Straub/Huillet
Format: 
35 mm
Black/White

Liefe Straubs Machorka-Muff ohne den inneren Monolog der titelgebenden Hauptfigur, den Straub aus Bölls Erzählung übernommen hat, wäre unter anderem Folgendes zu erkennen: Ein Mann mittleren Alters schläft, träumt, rasiert sich am Morgen, trägt beim Frühstück einen grauen Anzug, trifft sich mit zwei Männern, wandert durch die Stadt (es ist Bonn), betrachtet Auslagen, geht über Plätze, lehnt an der Brüstung am Fluss (es der Rhein), steigt zu einer jungen Frau in deren weißes Cabriolet, nimmt an einer Grundsteinlegung teil usw. Einer der Menschen in der Stadt also, deutscher Alltag, könnte man meinen, kurz und bündig hingestellt. Dem Mann sieht man nicht an, dass er Oberst ist und zum Brigadegeneral ernannt wird und zu jenen Nazis gehört, die den inzwischen «diffamierten» militärischen Geist zu restaurieren vermögen. Die Grundsteinlegung gilt der «Akademie für militärische Erinnerung», die den Namen des Mannes wird tragen dürfen, der seine Tapferkeit dadurch bewiesen hatte, dass in seiner Armee 14.700 Mann gefallen sind - und nicht weniger. Straub verzichtet auf Bölls Ironie (sie liegt ihm auch nicht) und enthüllt seinen General, indem er ihn in seiner Alltäglichkeit zeigt, als wäre sein Wirken kein anderes als die Arbeit des Kellners, der ihn bedient, die er ebenso gewissenhaft in ihrer Nebensächlichkeit vorführt.

Top