M

V' 02

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Fritz Lang
D, 1931
105min, OF

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Fritz Lang
D, 1931
, 105min, OF

Cast: 
der Mörder)
die Mutter)
das Kind)
Gustaf Gründgens
Schränker
Friedrich Gnass
Einbrecher
Fritz Odemar
Falschspieler
Paul Kemp
Taschendieb
Theo Lingen
Bauernfänger
Ernst Stahl-Nachbaur
Polizeipräsident
Franz Stein
Minister
Otto Wernicke
Kriminalkommissar Lohmann
Theodor Loos
Kriminalkommissar Groeber
Georg John
der blinde Straßenhändler

Production: 
Nero-Film AG
World Sales: 
Distribution in Austria: 
35 mm/Schwarzweiß

Lang ist nicht interessiert an der Wiedergabe einer sowieso schon sichtbaren Realität. Er will mit den Möglichkeiten seines Apparats die reale Macht von Formen zeigen. Wie sie gesellschaftliches Leben prägen. Er gibt zu sehen, wie sie auf den verschiedensten Ebenen in vergleichbarer Form auftreten. In allen Filmen Langs wird in irgendeiner Weise die Disposition im Kino, die des Zuschauers vor der Leinwand gespiegelt, gedoppelt. In den frühen Filmen durch Bühnensituationen oder tableaumäßige Inszenierung der Bilder. In seinen deutschen Tonfilmen und in den amerikanischen Filmen durch den reproduzierten Einsatz der Massenmedien. So zeigt er, in welchem Maß Schaulust, die die Wünsche antreibt, zum Motor menschlicher Beziehungen geworden ist. Wenn man Systemkritik, Kritik am Kapitalismus bei Lang finden möchte, dann muss man in diese Richtung suchen: die ausgestellten Waren, die ausgestellten Wünsche. The Woman in the Window, ein Porträt, das Bild einer Frau als Blickfang. Peter Lorre in M sieht zwischen den Dingen in den Auslagen sich selbst, seinen eigenen Blick reflektiert. «Die stündlichen Wunder unseres Alltags haben die der 1001 Erzählungen der Scheherazade mit Siebenmeilenstiefeln eingeholt und überholt. Jede Zeitung bringt täglich Berichte über menschliche Tragödien und Komödien, über Absonderliches und Allgemeingültiges, und diese Berichte sind von einer solchen Phantastik oder Zufälligkeit oder Romantik erfüllt, dass kein Dramaturg irgendeines großen Konzerns wagen könnte, einen solchen Stoff vorzuschlagen, ohne ein schallendes Hohngelächter über sich ergehen lassen zu müssen über die Unwahscheinlichkeit oder Zufälligkeit, oder Kitschigkeit der Konflikte. So ist das Leben. Es schien mir nun richtig, dem Lebensrhythmus unserer Tage, der Sachlichkeit der Zeitepoche zu entsprechen und einen Film rein auf Tatsachenberichte aufzubauen.» Das schrieb Lang 1931 zu M. Mit der Neuen Sachlichkeit schüttelt er die letzten Hüllen vom romantischen Verkleidungs- und Maskenkino ab. Er beginnt, funktionale Filme zu machen. Das Leben hat einen schnelleren Schritt als unsere Gewohnheiten; die Phantasiepraxis muss endlich ausgeschaltet werden, sagten die Theoretiker des Neuen Stils. (Frieda Grafe: «M» aus: Peter W. Jansen, Wolfram Schütte (Hg.) "Fritz Lang", München,Wien: Carl Hanser Verlag, 1976)