Tribute: Peter Hutton

TIME AND TIDE
Zur Erinnerung an Peter Hutton (1944–2016)

Vergangenen Juni starb im Alter von 71 Jahren einer der bedeutendsten Experimentalfilmemacher unserer Zeit, der US-Amerikaner Peter Hutton. Er selbst hatte sich nicht als «filmmaker» gesehen, sondern eher als jemand, der Film als Speichermedium nutzt, um Dinge sichtbar zu machen und zu halten. Huttons Lebenswerk ist nicht weniger als ein persönlicher, kontemplativer Kosmos der Weltbeobachtung. Es stellt eine Rückkehr zu den Anfängen des Kinos dar, zum statisch stummen Blick der Brüder Lumière (darin den Filmen seines Freundes James Benning ähnlich) – aber nicht in einem fortschrittsfeindlich konservativen Sinn, sondern als Konsequenz der Erkenntnis, dass sich das Kino viel zu schnell entwickelt hat. Genau auf Städte und Landschaften zu blicken, wie Hutton es getan hat, entsprach immer auch der Überzeugung, das Medium Kino als genuines Mittel der Wahrnehmung zu begreifen, als Werkzeug für einen neugierigen, insistierenden Blick. Vielleicht also Huttons Schlüsselsatz: «The more time you spend watching things, the more they reveal themselves.» Mit acht Programmen erinnert die Viennale an einen der großen Avantgardisten des Kinos, dessen epochales Gesamtwerk noch Generationen von Filmdenkern beeinflussen wird.

In Anwesenheit von Manon Hutton-DeWys.