CéLINE ET JULIE VONT EN BATEAU

V'02

CéLINE ET JULIE VONT EN BATEAU

Céline und Julie fahren Boot

Jacques Rivette
F, 1973
192min, OmdU

CéLINE ET JULIE VONT EN BATEAU

Jacques Rivette
F, 1973
, 192min, OmdU

Mit: 
Juliet Berto
Céline
Dominique Labourier
Julie
Bulle Ogier
Camille
Marie-France Pisier
Sophie
Barbet Schroeder
Olivier
Nathalie Asnar
Madlyn
Marie-Thérèse Saussure
Poupie
Philippe Clévenot
Guilou
Anne Zamire
Lil
Jean Douchet
Monsieur Dédé
Adèle Taffetas
Alice
Monique Clément
Myrtille
Jérôme Richard
Julien
Michael Graham
Boris
Jean-Marie Sénia
Cyrille

Produktion: 
Les Films du Losange/Renn Productions (Claude Berri)
Weltvertrieb: 
Verleih in Österreich: 
35 mm/1:1,37/Farbe

Dieser Film gilt als einer der Leitfilme der 70er Jahre. Zwei junge Frauen sehnen sich nach einem Ereignis, das ihr eintöniges Dasein verändert. Céline: eine Art weißes Kaninchen, eine magische Gestalt, eigentlich eine Taschenspielerin, eine Phantastin, die ihre Einsamkeit durch träumerische Extravaganzen erträglich zu machen weiß. Julie arbeitet in der Stadtbibliothek, liebt Bücher und ist ständig hin- und hergerissen zwischen den Fiktionen ihrer Lektüre und den Prophezeiungen der astrologischen Werke, die ihre Wohnung füllen. Als die beiden sich kennen lernen, löst dies einen Wirbel aus, in dem Reales und Fiktives durcheinander geraten. Täglich versetzen sie sich durch Magie in die Welt ihrer Kindheit, um dort die Ängste und Hoffnungen eines Mädchens, das seine Mutter verloren hat, verstehen zu lernen und ein schreckliches Geheimnis in einer Villa zu enträtseln. Dort spielt sich ein Melodram ab, das sich ihnen und dem Zuschauer nur stückweise entschlüsselt, da sich die beiden Heldinnen abwechselnd und nicht unbedingt in der chronologisch richtigen Reihenfolge in das Geschehen einschalten. Zum Schluss gelingt es ihnen, ein in der Vergangenheit bedrohtes Kind in ihre Realität hinüberzuretten und bei einer Bootsfahrt ungefährdet mit den versteinerten, blutlosen Figuren der anderen, vergangenen Welt zu konfrontieren. Bemerkenswert für einen Spielfilm der 70er Jahre ist die absolute Dominanz der Frauen. Wie oft bei Rivette, wimmelt der Film von versteckten Zitaten und Insiderscherzen, darunter am auffälligsten einige Hinweise auf «Alice in Wonderland», etwa in der Anfangsszene, in der die Bibliothekarin Julie erstmals die wie das weiße Kaninchen dieses Buches eilig vorbeihuschende Céline entdeckt und verfolgt. Ein verwirrendes Märchenpuzzle, in dem sich die reizvoll eingefangene Pariser Stadtlandschaft mit der Theatralik spätbürgerlicher Gefühlskultur zu einem Traumspiel von naiver Heiterkeit und verspielter Poesie verbindet.