ARTISTES DU THÉÂTRE BRÛLÉ

V'05

LES ARTISTES DU THÉÂTRE BRÛLÉ

BURNT THEATRE, THE

Rithy Panh
F/Kambodscha, 2005
Dokumentarfilme, 85min, OmeU

LES ARTISTES DU THÉÂTRE BRÛLÉ

Rithy Panh
F/Kambodscha, 2005
Dokumentarfilme, 85min, OmeU

Mit: 
Rotha Kèv
Phan Peng
Nan Doeun Thén
Bopha Chheng
Drehbuch: 
Rithy Panh
Agnés Sénémaud
Ton: 
Sear Vissal
Kamera: 
Prum Mésar
Schnitt: 
Marie-Christine Rougerie
Musik: 
Marc Marder

Produktion: 
CDP 4 avenue de l'Europe 94360 Bry-sur-Marne, Frankreich T 1 49 83 28 00 aschuchman@ina.fr
Weltvertrieb: 
INA4 avenue de l'Europe 94360 Bry-sur-Marne, Frankreich T 1 49 83 29 92, mgautard@ina.fr
Format: 
Video (Betacam SP)
Farbe

Das Theater Preah Suramarith in Phnom Penh, einst Ort der kulturellen Hochblüte, wurde von den Roten Khmer vor allem dazu benützt, bei offiziellen Besuchen die so genannte Revolution zu feiern. Trotz der systematischen Auslöschung von Kultur und Intellekt überdauerte das Theater die schreckliche Zeit und blieb in Betrieb, ehe es im März 1994 bei Renovierungsarbeiten fast vollständig ausbrannte. Seither steht es leer, die Bühne ist überwuchert von Pflanzen, so wie sich in manchen Tempeln auf dem Areal des grandiosen Angkor Wat der Urwald immer wieder Bahn bricht. Mit seiner scheinbar beiläufigen, unaufdringlichen Art zu filmen gelingt es Rithy Panh erneut, den Menschen, ehemaligen Schauspielern und Schauspielerinnen des Theaters, ausreichend Raum zu lassen für ihre Erinnerungen, ihre Schmerzen, aber auch für die Freude, mit der sie alte Kostüme und Requisiten einer offenbar legendären «Cyrano»-Aufführung betrachten. Wieder gelingen dem Regisseur wunderbare Porträts einfacher Menschen, so etwa der Schauspielerin Phan Peng, die bis heute nicht verkraftet hat, dass sie im Unterschied zu den meisten ihrer Mitgefangenen die Tortur durch die Roten Khmer überlebt hat. Der bittere Kern des Films ist die Tatsache, dass das Theater, sei es das westliche oder das traditionell kambodschanische, keine Anhänger mehr findet, weil die Zäsur durch den Völkermord bis heute nachwirkt, weil die Menschen schlicht andere Sorgen haben und weil die Normalität die da heißt: schrankenloser Kapitalismus auch in Kambodscha um sich greift. Das Land, so Rithy Panh, sei im Begriff, im Taumel der Normalisierung «sein Gedächtnis zu verlieren». Den ironischen «Soundtrack» bestreitet ein Pressluftbohrer: Neben dem Theater, das keiner mehr wieder aufbauen will, wächst unaufhaltsam ein riesiges Casino in den Himmel. (Andreas Ungerböck)