V’17: OCTOBER 19 – NOVEMBER 2, 2017

MUERTOS

V' 06

LOS MUERTOS

Lisandro Alonso
Argentinien, 2004
78min, OmdU

LOS MUERTOS

Lisandro Alonso
Argentinien, 2004
, 78min, OmdU

Darsteller: 
Argentino Vargas
Drehbuch: 
Lisandro Alonso
Ton: 
Catriel Vildosola
Kamera: 
Cobi Migliora
Schnitt: 
Lisandro Alonso
Musik: 
Flor Maleva
Ausstattung: 
Lisandro Alonso

Produktion: 
4 L Amenabar 1870 1/D 1428 Buenos Aires, Argentinien T 11 4781 61 19 alonsolisandro@hotmail.com
Weltvertrieb: 
F for Film 11 rue riquier 27200 Vernon, Frankreich T 2 32 54 05 96 seguy@f-for-film.com
Verleih in Österreich: 
Stadtkino Filmverleih Spittelberggasse 3 1070 Wien T 1 522 48 14 office@stadtkinowien.at
Format: 
35 mm
Farbe

Nach über 30 Jahren im Gefängnis wird Vargas, ein mittlerweile 54 Jahre alter Mann, in der argentinischen Provinz Corrientes aus dem Gefängnis entlassen. Er ist für den Mord an seinen beiden Brüdern eingesessen, den er einst begangen hatte. Jetzt möchte er seine erwachsene Tochter wieder finden, die in den abgelegenen Sümpfen am Rande des Urwalds lebt. Vargas, ein ruhiger und selbstbeherrschter Mann, besteigt ein Boot und begibt sich damit auf die Reise durch die Naturlandschaft und zurück in seine Heimat. Die Kamera schweift an der Unterseite der Baumkronen entlang. Viel Licht fällt nicht durch das Blattwerk. Es flirrt in dem Maße, wie sich die Äste und das Laub im Wind bewegen. Die Kamera fährt an einem ersten bewegungslosen Körper vorbei, wenig später an einem zweiten. Dann streift sie die Beine eines anderen, Stehenden. Eine Machete rückt ins Bild. Wieder wechselt die Kamera die Blickrichtung, schaut den Blättern und dem Himmel entgegen. Allmählich löst sich das Bild in giftiges Grün auf. Unter seiner nüchternen Oberfläche birgt Los muertos eine existenzielle Dimension. Nachdem sich das Blätterwerk in Grün aufgelöst hat, folgt der Film einem Mann, der aus dem Gefängnis entlassen wird. Mit einem Kanu fährt er flussaufwärts in immer entlegenere Gebiete, bis er am Haus seiner Tochter ankommt, ohne ihr jedoch zu begegnen. Indem Lisandro Alonso alle Konnotationen des Flussfahrtmotivs ausschöpft - die Ursprungssuche, den Selbstverlust und den Aufbruch ins Totenreich -, verleiht er seinem Film die schillernde Qualität großen Kinos. (Cristina Nord) Der Sinn des Films bleibt in der tiefen Stummheit des Protagonisten versiegelt, der uns mit unserem Befremden und unseren Fragen allein lässt. Los muertos ist von Anfang bis Ende durchtränkt von einer Atmosphäre von Zersetzung, Nacht und Verhängnis, ein Verderben wie bei Joseph Conrad, wo der Blick, wie in einer seiner frühesten Kurzgeschichten («The Langoon») beschrieben, über das «gleißende Licht eines wolkenlosen Tages hinaus in die Finsternis einer Welt der Täuschung» fällt. (Didier Peron)

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