V’17: OCTOBER 19 – NOVEMBER 2, 2017

Geschichte des Filmfestivals

Eine mögliche Geschichte der Viennale – von 1960 bis zur Gegenwart

Sigmund Kennedy / (c) Viennale In den fünfziger Jahren war Österreich ein filmisches Ödland: Die heimische Produktion bestand aus Theaterkomödien, bäuerlichen Schwänken, Fremdenverkehrsfilmen, Wiener musikalischen Komödien und Revuefilmen von Franz Antel. Ein undurchdringlicher Silberwald, der sich bis zum Horizont erstreckte und ein historischer Tiefstand der heimischen Filmkultur. Eine Gruppe von österreichischen Filmjournalisten, darunter die späteren Viennale-Direktoren Sigmund Kennedy und Edwin Zbonek, wollte dies ändern und veranstaltete auf eigene Faust und ohne finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand im Jahr 1960 eine «Internationale Festwoche der interessantesten Filme des Jahres 1959» - die Urzelle der Viennale.
 

Don Siegel, ViennaleIn den darauffolgenden Jahren lief die Veranstaltung unter dem Titel «Festival der Heiterkeit» und konzentrierte sich auf Komödien, wohl auch um den gelegentlich medial geäußerten Vorwürfen einer pro-kommunistischen Agitation zu entgehen. Erst ab 1968 gewann die Viennale sukzessive an Kontur. Sie integrierte die vielgelobten Retrospektiven des Österreichischen Filmmuseums und befand sich generell auf Expansionskurs: Steigende Subventionen ermöglichten größere kreative Gestaltungsspielräume, das Programm wurde umfangreicher und internationaler,die Zuschauerzahlen stiegen.
 

Ende der achtziger Jahre wurde unter Helmuth Dimko eine Gußform entwickelt, in die das Festival auch heute noch hineinpaßt: Ein umfangreiches, gut ausgewähltes Hauptprogramm mit den besten Filmen des laufenden Produktionsjahres, dazu Nebenschienen, kleine Retrospektiven und Spezialprogramme, verteilt über zahlreiche Kinos der Stadt. Diese Struktur der Viennale hat sich bis heute bewährt, wobei es immer wieder zu Akzentverlagerungen kam. In der kurzen Direktion von Werner Herzog war das Leitmotiv «Kino als magischer Ort», unter Wolfgang Ainberger/ Alexander Horwath kam es zu einer Öffnung in Richtung Pop und Genrekino. Hans Hurch,  seit 1997 im Amt, betonte die politische Dimension des Kinos und wertete den Dokumentarfilm entscheidend auf.
 

Gartenbaukino | © Robert NewaldDie Viennale ist, wenn man sie über den  gesamten  Zeitraum betrachtet, eine veritable Erfolgsstory, wobei das Kunstwerk gelungen ist, sowohl  Filmangebot als auch Zuschauerzahlen immer wieder zu steigern, ohne deshalb den expliziten Anspruch auf inhaltliche und ästhetische Qualität zu relativieren. Große Momente entstehen durch intellektuelle Leidenschaft und programmatischen Wagemut, nicht durch inszenierten Glamour aus der  PR-Abteilung oder populistische Anbiederung. So ist die Viennale heute sowohl für viele Kritiker als auch für das zahlreiche Publikum zum Lieblingsfestival geworden. Stellvertretend sei hier Fritz Göttler zitiert, der in der «Süddeutschen Zeitung» begeistert schrieb: «Die Viennale, gerühmt als das schönste Cineastenfestival der Welt, war immer auch politisch orientiert – kein politisches Festivals machen, sondern ein Festival politisch machen.»

Text: Thomas Miessgang

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