SPECIAL ANALOG PLEASURE 2017: FILME VON SCHMELZDAHIN

In den 1980er Jahren erlebte der Super-8-Film in vielen europäischen Ländern eine üppige Blüte – die Viennale setzt die 2016 begonnene Reihe über das Super-8-Filmschaffen in der BRD mit den Arbeiten des Bonner Künstlerkollektivs Schmelzdahin fort. Schmelzdahin existierte von 1979–1989 und war in Filmproduktion oder eher Filmforschung und Filmperformance tätig – zu einer Zeit also, als Bonn noch Hauptstadt und Hinterland zugleich war. Während bei der vergangenes Jahr vorgestellten Tödlichen Doris in Berlin vor allem vor der Kamera fröhliches Treiben herrschte, wird bei Schmelzdahin gerne mit dem Filmmaterial selbst wild umgesprungen. Zum Beispiel wird das belichtete Material AUS DEN ALGEN gefischt und – nach Trocknung und Zusammenschnitt mit gefundenem Super-8-Material 56 Special Programs ANALOGPLEASURE Das Filmfestival als KinemathekII. Nach einem erfolgreichen Auftakt 2016 präsentiert die Viennale dieses Jahr eine zweite Reihe von Filmvorführungen, die explizit dem analogen Kinovergnügen gewidmet sind.

Seit vielen Jahren verfolgt die Viennale die Politik, nach Möglichkeit alle Filme des Festivals in ihrem Originalformat zu präsentieren. Aufgrund von Digitalisierung, mit ihr einhergehender schwindender Nachfrage nach analogen Vorführkopien und somit geringerem Engagement von LizenzinhaberInnen, aber auch Filmarchiven, Filme selbst dann noch in analogen Formaten verfügbar zu halten, wenn von diesen bereits Digitalisate angefertigt wurden, gestaltet sich dies jedoch zunehmend schwieriger. Umso dringlicher die Aufgabe, dem analogen Kino eine prononcierte Plattform zu bieten, der wir mit den folgenden vier Programmen nur zu gerne nachkommen. Präsentiert werden Filme in den vier gebräuchlichsten analogen Filmformaten 8mm, 16mm, 35mm und 70mm – wo dies möglich war, in restaurierten Fassungen oder jedenfalls neuen Kopien. Die Auswahl der Filme folgt der Idee, spezifische Aspekte des Filmschaffens in den jeweiligen Formaten herauszuarbeiten. STADT IN FLAMMEN (oder auch aus dem Fernsehen abge- filmten B-Picture-Ausschnitten) sowie wilder Vertonung, die den Filmen eine zusätzliche, ganz eigene Dimension verleiht («Ich bin nur ein kleines Raumschiff!») – durch den Projektor getrieben. Es sind ungemein haptische Filme, die so entstanden sind, jeder für sich eine Entdeckung; sieben an der Zahl sind in diesem Programm vereint, allesamt bis heute im Vertrieb des Experimentalfilmverleihs Light Cone, Paris.
Kuratiertvon Katja Wiederspahn

Krepl

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Special Programs
Schmelzdahin (BRD 1989)