Tribute: Raúl Perrone

Der Mann aus Ituzaingó
Raúl Perrone – The Last of the Independents

Den wahren unabhängigen  Filmemacher erkennt man stets daran, dass sein Schaffen erst nach Dekaden eine weitere Verbreitung wie Anerkennung findet. Bei dem argentinischen Großmeister der kleinstmöglichen Formen, Raúl Perrone, hat es ein sattes Vierteljahrhundert gedauert, bis seine Werke mit einer gewissen Regelmäßigkeit jenseits des Ballungsraumes Buenos Aires zu sehen waren. Geboren 1952 in Ituzaingó, einem Quasi-Vorort der Kapitale, begann Perrone in den  späten 1980ern, Filme zu drehen. Die Kulissen: Ituzaingós Straßen und  Plätze; die Darsteller: wer gerade kann; das Licht: was die Sonne hergibt; das Material: Hauptsache, billig; Drehzeit: manchmal weniger als ein Tag; Handlung: so wenig wie möglich – das Gefühl von Leben, wie es so durch die Zeit zockelt, die Schönheit der Darsteller, deren Art zu sprechen und sich zu bewegen, ist für Perrone wichtiger als jeder Plot. Worum es ihm geht, ist Kino als Alltäglichkeit, Filmemachen als Suchen nach einer eigensinnigen, fast intimen Form von Poesie.  Die Viennale präsentiert eine Werkschau Raúl Perrones, in deren rahmen sein neuester Film, hIerBA, seine Welturaufführung erlebt.

Kuratiert von Roger Alan Koza. In Anwesenheit von Pablo Ratto (Produzent).