Special: Raymond Depardon

Ein Triptychon über das Verhältnis von Psychiatrie und Gesellschaft, von Stö- rung und Sanktion, begonnen 1980 auf einer Insel vor Venedig, fortgeführt 1988 in Paris und 2017 in Lyon vorläufig endend. Mit SAN CLEMENTE, URGENCES und 12 JOURS wirft der große französische Fotograf und Filmemacher Raymond Depardon Schlaglichter in gemeinhin verborgene Räume: eine uralte Anstalt, die modernen Anforderungen nicht mehr entspricht und aufgelöst werden soll; eine Notaufnahme für Menschen in Krisensituationen in einem großen Krankenhaus; ein Verhandlungszimmer in einem Hospital, in dem über den weiteren Verbleib Zwangseingewiesener entschieden wird. Drei Filme, in denen die subjektive Wahrnehmung des Wahns als Normalität, die medizinische Einschätzung des Verhaltens als psychotisch und die juristische Beurteilung eines medizinisch festgestellten Zustandes als gefährlich oder nicht ineinander fließen. Bis sich die Kategorien gegenseitig in Frage stellen. Über SAN CLEMENTE hat Hans Hurch in einem Radio-Interview einmal gesagt: «Der Höhepunkt des Films ist, dass just in dem Moment, wo die Menschen nach Venedig kommen, dort der Karneval stattfindet. Die Stadt ist also voll mit Verrückten. Ich glaube, es gibt keinen schöneren Film, der zeigt, was wir allgemein als verrückt bezeichnen, und wie relativ das ist.»