Special: Das rebellische Bild. Noticieros

Kubanische Wochenschauen 1960–1970

Kurz nach dem Triumph der Revolution im Jahr 1959 wurde das kubanische Filminstitut ICAIC gegründet, um eine neue Filmkultur zu initiieren und die frohe Botschaft vom Sieg über den Imperialismus in ganz Lateinamerika zu verbreiten. Vor allem die «Noticieros», die sieben bis zehn Minuten langen Wochenschauen, die damals in den Kinos vor dem Hauptfilm gezeigt wurden, waren wichtige Verlautbarungsorgane. Ursprünglich eher konventionell gestaltet, wurden die kleinen Nachrichtenfilme unter der Oberaufsicht des experimentellen Regisseurs Santiago Álvarez zu Kunstwerken. Der kubanische Innovator ließ sich von Sergej Eisensteins Montagetechniken inspirieren: Comics, Filmszenen, dokumentarische Sequenzen, Fotos und Plakate verschmolzen zu einem Taumel der Zeichen und auch auf der Tonspur tobte ein polystilistisches, kreatives Chaos. Postmoderne before the fact. 1990 wurden die «Noticieros» aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, doch die experimentelle Filmgrammatik von Santiago Álvarez hatte sich da längst schon durchgesetzt – nicht umsonst gilt er als einer der Väter des modernen Videoclips.

In Anwesenheit von Maria Giovanna Vagenas (Kuratorin) und Luciano Castillo (Director Cinemateca Cuba).

Alle Wochenschauen dieses Programms werden in OmeU gezeigt.