V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

Special: Carmen Cartellieri

Scheinbar aus dem Nichts ging ihr Stern im noch jungen Kino der schon untergehenden Donaumonarchie auf. Protegiert vom heute ebenfalls vergessenen Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann Cornelius Hintner, folgte eine kurze, aber intensive Karriere, die einige der bemerkenswertesten Werke des österreichischen Stummfilms zeitigte. 1917 drehte Carmen Cartellieri als 26-Jährige – ohne jemals vorher als Schauspielerin aktiv gewesen zu sein – ihren ersten Film ANJULA, DAS ZIGEUNERMÄDCHEN und machte sich an der Seite von Hintner beim ungarischen Film einen Namen. Nach dem Ende der Räterepublik übersiedelten die beiden nach Wien, wo Cartellieri in einer beispiellosen Medienkampagne zum Star gehoben wurde. Die Jahre des Aufschwungs der heimischen Filmindustrie während der Inflationszeit von 1920–1923 markierten den Höhepunkt ihrer Karriere. Ab Mitte der 1920er Jahre gingen die Angebote für Hauptrollen langsam zurück, aber auch in Nebenrollen überraschte Cartellieri die Kritiker mit ihrer starken Präsenz und schauspielerischen Natürlichkeit. Doch für die Mimin, die schon früh die visuelle Kraft des Kinos zu nutzen vermochte, bedeutete der Tonfilm das Ende ihrer Karriere. Wiens schillerndster Kinostern verglühte leise – bis zu ihrem Tod am 17. Oktober 1953 sind keine öffentlichen Bühnen- oder Filmauftritte mehr überliefert.

Zur Viennale 2017 präsentiert dasFilmarchiv mit vielen neu restaurierten Arbeiten eine erste umfassende Werkschau dieser beinahe vergessenen österreichischen Kinopionierin. Dazu erscheint in der neuen Edition «Film Geschichte Österreich» eine erste, Cartellieri gewidmete Publikation.
Kuratiert von Armin Loacker. Sämtliche Programme werden live mit Musik begleitet.

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