Monografie Angela Schanelec

 

INDIRECT CINEMA

Als zu Beginn der 2000er Jahre  unter dem Begrif „Berliner Schule“ eine neue Generation von deutschen Regisseur*innen wahrgenommen wird, bezieht diese von Anfang an Angela Schanelec mit ein. Filme wie MEIN LANGSAMES LEBEN oder ICH BIN DEN SOMMER ÜBER IN BERLIN GEBLIEBEN erscheinen mit den Arbeiten von Christian Petzold und Thomas Arslan als Manifestation einer neuen Haltung zum Kino, die zugleich sinnlich und sehr überlegt ist. Vom Theaterschauspiel kommend (immer wieder ein Nebenschauplatz ihrer Filme), zählt bei Schanelec jede Geste, jedes Wort. Nicht als Elemente auf einer Perlenkette von festgelegten  Abläufen, sondern als feine Momente in einem Netzwerk, das sich ständig weiter verändert und zu so etwas wie einer abstrakten Autobiografie wird. Für sich sein, Paar sein, für eine Nacht, für ein Leben vielleicht, Familie sein, den anderen betrauern. Schanelecs Filme verschränken diese Grundthemen mit einer Ästhetik, die mit Bressons „wunderbaren und schrecklichen Maschinen“ in inniger Beziehung steht: der Kamera, die einen sehr bewussten Ausschnitt setzt, und dem weit geöfneten Tonapparat, der bei Schanelec alles hört, den Lärm der Stadt und das Rumoren im Bauch. Nicht nur die Themen wandern seit DAS GLÜCK MEINER SCHWESTER durch ihre Arbeiten, sondern auch die Akteure (Wolfgang Michael, Maren Eggert, Devid Striesow, Sophie Aigner u.a.). Gebündelt wird die Kraft dieser Motive in ihrem jüngsten Film ICH WAR ZU HAUSE, ABER, für den Angela Schanelec bei der Berlinale 2019 den Regiepreis bekam.

In Anwesenheit von Angela Schanelec.