Kinematografie: Brasilien entflammt

 

EINE ROADMAP DES BRASILIANISCHEN KINOS

Die hier versammelten Beispiele unabhängigen Filmschaffens bilden – ihrer ästhetisch-stilistischen Heterogenität wie unterschiedlichen territorialen Herkunft zum Trotz – Facetten einer Malaise des Landes Brasilien ab, deren politische Eckpfeiler von den beiden Polen Lula da Silva und Jair Bolsonaro markiert werden. Grund der Auswahl ist der Versuch, die Veränderungen der vergangenen beiden Jahrzehnte zu  verstehen; weswegen auch einige ältere Filme Eingang fanden, die (mehr oder minder indirekt) in den Werken jüngerer Regisseur*innen widerhallen. Einige der Filme konzentrieren sich auf die jüngste politische Situation,  andere befassen sich mit Klassenunterschieden, weitere greifen die stets latent vorhandene Rassenfrage auf oder untersuchen die Präsenz indigener Völker in der brasilianischen Gesellschaft – oder richten den Fokus auf den Kampf um Landbesitz. Doch sie alle folgen der sich stets ändernden Identität eines heterogenen Volkes. Und sie bieten Einblicke in das, was von Nachrichten, Berichten und Statistiken nur unvollständig dargestellt werden kann: Brasilien (ist) entflammt! Seine Wut, Trostlosigkeit, Sehnsucht, Gewalt, Hofnung, Unterdrückung und Freude sind in der Sprache.