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Sujet V'21

V'21 – 21. bis 31. Oktober

Wir werden uns an 2021 immer als an ein Übergangsjahr erinnern. Nicht allein aufgrund unserer Erfahrungen der letzten anderthalb Jahre, sondern weil es auch ein Jahr voller politischer Veränderungen in zahlreichen – demokratischen und anderen – Ländern gewesen ist. Die Viennale kann den Puls dieser Zeit nicht ignorieren, sie muss ihn reflektieren. Nicht nur vom organisatorischen Standpunkt aus, indem sie es für das Publikum so einfach wie möglich macht, sicher und komfortabel an den Veranstaltungen teilzunehmen, sondern auch, indem sie gründlich hinterfragt, was wir als Festival eigentlich machen und welche Rolle und Zielsetzung eine Kino-Kirmes in diesen Zeiten überhaupt haben kann. Hier bietet sich also die Gelegenheit, die Veranstaltungsform als solche neu zu bedenken und darüber zu diskutieren, wie sich die Gewohnheiten unserer Gesellschaft gerade verändern und welche Verantwortung uns, dem Filmfest, daraus erwächst.

Es trifft sich gut, dass in diesem Jahr der hundertste Geburtstag eines Säulenheiligen der Cinephilie gefeiert wird, Amos Vogel, der als 17-Jähriger von Österreich in die Vereinigten Staaten emigrieren musste. Vogel hat der Verflechtung von Kinoerfahrung mit dem gemeinschaftlichen, politischen und psychologischen Bewusstsein einer Gesellschaft und ihrer Individuen immer große Bedeutung beigemessen. Die subversive Kraft, von der Vogel sprach, lässt sich nicht unterdrücken – und die Viennale erkennt diese Tatsache nicht nur an, sie feiert sie bis heute in ihrer Sprache und ihren Inhalten, damit, dass sie dem Ungesagten und den Missachteten Sichtbarkeit verleiht und unter der Oberfläche einer nie innehaltenden Gegenwart schürft.

Und mehr denn je besteht die Viennale auf der Wichtigkeit eines gemeinsamen Raumes, der gerade in einer stets sich wandelnden Gesellschaft geteilt werden und teilbar sein muss, und von dem man Gebrauch machen sollte, um deren Veränderungen besser zu verstehen; und auch wenn wir aus einer Position heraus sprechen, die man als privilegiert bezeichnen muss, so gilt dies umso mehr angesichts all dessen, was wir in der letzten Zeit erlebt haben.

In unserem Teil der Welt hat man die Aktivitäten wieder aufgenommen und die Filmtheater sind wieder geöffnet, die Viennale wird daher die Gelegenheit bieten, die siebte Kunst und ihre Autor*innen zu feiern, aber auch die Möglichkeit, darüber hinaus verschiedenen Akteur*innen der Branche auf internationalem Niveau zu begegnen. Wir werden ein zweitägiges Treffen organisieren, um über die Lage und die Zukunft des Kinos als Kunst und der Filmindustrie als Wirtschaftssektor zu diskutieren. Und in diesem Rahmen wünschen wir uns einen Dialog zwischen den verschiedenen Protagonist*innen, alten wie jungen, Neulingen wie Etablierten, über die Rolle von Festivals, den Einfluss der elektronischen Medien, die neuen Dynamiken von Konsum und Werbung und nicht zuletzt über die Aussichten der Bewahrung dieser Kunstform, die bereits über hundert Jahre Erinnerung in sich trägt.

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