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Sujet V'21

V'21 Sujets

V'21 Plakat © Viennale

Auf dem Festivalplakat sehen wir eine natürliche Landschaft; es ist ein faszinierendes und suggestives Bild, das uns in dieser Zeit, die unsere Gewohnheiten durcheinandergebracht hat und das, was wir sicher glaubten, die Wieder-Öffnung unserer geografischen wie geistigen Grenzen herbeisehnen lässt. Zugrunde liegt ihm eine Illustration vom Ende des 19. Jahrhunderts, die didaktischen Zwecken diente und die Welt beschreiben und bekannt machen sollte - deren Darstellung daher auf Beobachtung wie Einbildungskraft gleichermaßen basiert. Die Landkarte ist nicht die Landschaft - um das Offensichtliche festzustellen -, aber gerade deswegen ist sie ein Instrument der Erweiterung: sie ist zugleich Wiedergabe und Projektion. Darin liegt ihre Verwandschaft mit dem kinematografischen Dispositiv, das unsere Epoche vermittels der Subjektivität seiner Autor*innen interpretiert und diese Interpretationen wiederum vervielfacht in der Empfindungsfähigkeit und der Erfahrung der Zuschauer*innen.
Mehr zu unserem Sujet finden Sie in unserem Blog

 

V'21 Retroplakat © Foto: Laborat, 2014, Guillaume Cailleau

Die Retrospektive stellt sich vor mit einem Still aus LABORAT von Guillaume Cailleau aus dem Jahr 2014; es ist dies ein etwa zwanzigminütiger Film in einem der vielfältigen Programme, die in diesem Jahr die Retro konstituieren. Und die zusammengestellt worden sind von Programmmacher*innen, deren kuratorische Praxis sich durch die Förderung eines kritischen, die Gegebenheiten hinterfragenden Kinos auszeichnet. Die Angebote, die von diesen Delegierten - die wiederum wegen ihrer Erfahrung und Sensibilität ausgewählt worden sind - gemacht werden, unterstreichen die Herausforderung, die für den ganzen Zyklus der Auslöser war: Dass nämlich die subversive Kraft des Kinos immer noch die Macht hat, unsere Sicht auf die Dinge zu beeinflussen, die Dinge zu problematisieren und schließlich sogar zu verändern.

Das Bild verleiht dem Blick des Kinos, dem Blick im Kino und seinen unendlichen Möglichkeiten Nachdruck: Es ist ein Blick, der über die menschliche Dimension hinausgeht. Das ist eines der Themen dieser Reise, die von Amos Vogel inspiriert ist. Dessen Erbe lebt weiter in allen Winkeln und Filmkulturen der Erde, und es ist versammelt in den unterschiedlichen Strängen, die diese Retrospektive verfolgt und verknüpft. Wir wollten eine vielstimmige und gemeinschaftliche Retrospektive, um allein schon mit ihrer Form zu unterstreichen, welche anderen Wege in Richtung Veränderung und Subversion heute möglich sind.

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