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THE AFRICAN TWINTOWERS

Monografie: SAY GOODBYE TO THE STORY

Passagen durch das filmische Werk von Christoph Schlingensief

DIE 120 TAGE VON BOTTROP

„In erster Linie bin ich Filmemacher“ – so Christoph Schlingensief 2006 im Gespräch mit Alexander Kluge anlässlich der Ausstellung Hodenpark im Salzburger Museum der Moderne. Es war eine zu diesem Zeitpunkt scheinbar anachronistische Anmerkung: Längst war der einstige Trash-Filmer (DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER, TERROR 2000) zu einer umstrittenen Kultfigur der Berliner Volksbühne avanciert, hatte Elfriede Jelineks Bambiland auf die Bühne des Burgtheaters gewuchtet und mit seiner Parsifal-Inszenierung in Bayreuth Furore gemacht. Sein „letzter Neuer Deutscher Film“, DIE 120 TAGE VON BOTTRO war auch schon wieder ein paar Jahre her, und in der zunehmend der konsumablen Ware zugewandten deutschen Filmförderungs-Landschaft stieß der „Selbstprovokateur“ Schlingensief, der sich eher an avantgardistischen Arbeiten von Kenneth Anger, Kurt Kren oder Werner Nekes orientierte und in der kleinbürgerlichen Familie mit Super-8 experimentiert hatte, auf Mauern der Ablehnung.

SAY GOODBYE TO THE STORY (ATT 1/11)

Dennoch: Doppelbelichtung, Filmriss, der „Drehort“ als Mikrobiotop in einer medialisierten Gesellschaft begleiteten nicht nur als Metaphern, sondern auch ganz manifest in irrlichternden Projektionen auch seine theatralische Arbeit – bis hin zum Animatographen, einer reisenden Drehbühne, auf der der Betrachter „endlich ins eigene (Film-)Bild treten“ konnte. Mit dem monumentalen Dreh THE AFRICAN TWIN TOWERS strapazierte Schlingensief 2005 in Namibia noch einmal das Medium und seine Produktionsressourcen bis an den Rand des Möglichen. Und als er 2008 die Diagnose einer Krebserkrankung verarbeiten musste, raste in seiner Kirche der Angst vor dem Fremden in mir alles auf eine apokalyptische Montage zu.

Zehn Jahre nach dem Tod Christoph Schlingensiefs, rund um seinen 60. Geburtstag am 24. Oktober gibt die VIENNALE nun mit Unterstützung der Nachlassverwalter die Gelegenheit zu einer Neusichtung: Kindheitsfilme, romantische Z-Pictures mit Klassikerstatus und, last but not least: Bisher kaum jemals oder nie öffentlich gezeigte Skizzen und Kurzfilme, gipfelnd in Werken mit beredten Titeln wie FREMDVERSTÜMMELUNG oder dem melodramatischen Psycho-Loop SAY GOODBYE TO THE STORY - im übrigen auch einer großartigen Verbeugung vor Irm Hermann.

 

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