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West Indies | © Viennale

MONOGRAFIE – MED HONDO

Begründer des afrikanischen Kinos

SOLEIL O | © Viennale
SOLEIL O

Med Hondo – 1936 in Mauretanien geboren, 1959 nach Frankreich migriert, wo er 2019 starb - war als Schauspieler und Synchronsprecher bekannt, vor allem aber als Projektkatalysator in der Theater- und Filmbranche, der unabhängigen Stimmen aus dem postkolonialen Afrika Gehör verschaffte. Sein Kino befasst sich mit den Konflikten um das afrikanische Territorium, mit dessen Geschichte sowie dessen Beziehungen zu Europa, es untersucht die Machtkämpfe und kulturellen Einflüsse der Kolonialzeit. So wurde Hondo zu einem der bedeutendsten Regisseure und Produzenten der Anfangszeit des afrikanischen Kinos und kann als dessen Wegbereiter und Begründer gelten.

SARRAOUINA | © Viennale
SARRAOUNIA

Doch erst in jüngerer Zeit erfährt sein Werk die gebührende Anerkennung und wird entsprechend verbreitet. Wir zeigen neun Filme Hondos aus europäischen und amerikanischen Archiven, die, eben erst restauriert, nun in neuem Glanz erstrahlen. Darunter den Debütfilm SOLEIL Ô, ein hervorragendes Beispiel für die Kreativität und Einzigartigkeit, die das afrikanische Kino gegenüber der amerikanischen und europäischen Filmtradition auszeichnet.

Hondos Arbeiten erkunden die Stile und Gattungen, vom Melodram über das Dokumentarische zum Ensemblemusical: Im Experimentalfilm LES BICOTS-NÈGRES VOS VOISINS (1974) setzt er sich kritisch mit der Entkolonisierung auseinander, entwirft mit WEST INDIES (1979) ein episches, satirisches Musical über die Historie der französischen Antillen, erzählt in SARRAOUNIA (1986) die wahre Geschichte jener westafrikanischen Königin, die sich den Kolonialtruppen entgegenstellte, und dreht mit LUMIÈRE NOIRE (1994) einen Kriminalthriller über die Übergriffe Frankreichs auf Einwander:innen.

Eine veritable Lehrstunde eines kinematografischen Meisters.

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