Nachmittag  | © Viennale

ANGELA SCHANELEC

Indirect Cinema
Mit ihrer Auszeichnung bei der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie für ihren neuesten Film ICH WAR ZUHAUSE, ABER … ist die deutsche Filmemacherin Angela Schanelec auf dem internationalen Parkett der großen FilmkünstlerInnen angekommen. Dabei nimmt ihr Kino bereits von Beginn an eine herausragende Position im Weltkino ein. Ihre strenge und dabei doch gefühlvolle Art, auf oft entfremdete weibliche Protagonistinnen zu blicken, erzählt mit Nachdruck von der Sehnsucht, voll und ganz im Hier und Jetzt zu leben. In ihren bis dato neun Spielfilmen beobachtet Schanelec in episodischen Bewegungen tägliche Abläufe und den Druck der verrinnenden Zeit; oft lernt man dabei eine Gruppe von Menschen etwas näher kennen. Im an Tschechows „Die Möwe“ angelehnten NACHMITTAG etwa eine Familie rund um ein Seehaus, oder in ORLY einige Menschen am titelgebenden Flughafen in Paris. Schanelecs Figuren kämpfen mit persönlichen Unsicherheiten und Zweifeln. Die Aufmerksamkeit, die sie in ihrem Kino den Zuständen des Dazwischen schenkt, eröffnen die Möglichkeit, im Gewöhnlichen das Besondere zu entdecken; das, was außerhalb des Bildes passiert, ist genauso ernst zu nehmen wie das, was zu sehen ist. Schanelec verhandelt in ihrem Werk existenzielle Themen: etwa, was es bedeutet, eine Familie zu gründen oder sich zu verlieben. Schon in ihrem Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, ICH BIN DEN SOMMER ÜBER IN BERLIN GEBLIEBEN, etabliert sie ihre eigene Filmsprache. Sie betrachtet die Beziehungsprobleme zweier junger Paare und macht darin eben genau jene Regungen manifest, die sonst gerne im Verborgenen arbeiten. Schanelecs Filme bieten keine Lösungen, sie stellen Fragen.

In Anwesenheit von Angela Schanelec.

 

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Fime (Auswahl):

ICH WAR ZUHAUSE, ABER
Angela Schanelec, D/SRB 2019

MARSEILLE
Angela Schanelec, D/F 2003

NACHMITTAG
Angela Schanelec, D 2007
 

ORLY
Angela Schanelec D/F 2010

DER TRAUMHAFTE WEG
Angela Schanelec, D 2016