MÄDCHEN AM KREUZ

DER WEIBLICHE BLICK

 Die Wiederentdeckung der Filme von Louise Kolm-Fleck

In einer von Anbeginn männlich dominierten Branche etablierte die Wiener Filmpionierin Louise Kolm-Fleck (1873–1950) erstmals eine österreichische Filmproduktion, gründete mit der Vita-Film den damals größten Atelierkomplex Europas und richtete ihre speziffisch weibliche Perspektive auf Themen wie Vergewaltigung, Abtreibung und Impotenz im Kino der Stummfilmzeit. Die nun vom Filmarchiv Austria in weltweiten Recherchen wiederentdeckten und neu restaurierten Filme zeigen eine Regisseurin, die die filmische Grammatik bravourös beherrscht und ihre Geschichten meisterhaft umsetzt. Sie zeigen vor allem eine Autorin von überraschender Aktualität, deren emphatischer Blick ihren in einem männlich dominierten Umfeld agierenden Protagonistinnen gilt.
Louise Kolm-Fleck, Tochter des Besitzers des Wiener Stadtpanoptikums Louis Veltée, Enkelin eines Kunstfeuerwerkers, schrieb mindestens zwei Dutzend Drehbücher und führte weit über 100 Mal Regie. Das Leben der ersten österreichischen Regisseurin liest sich wie eine Parabel auf die österreichische Filmgeschichte: der rasante Aufstieg des Stummfilms, die goldene Zeit in den 1920er-Jahren, der Wechsel zum Tonfilm, die Vertreibung von Filmschaffenden durch die Nationalsozialisten, das Vergessen nach 1945. Noch im Exil in Schanghai gelingt es ihr, mit ihrem zweiten Mann Jakob Fleck einen Film zu realisieren. Im österreichischen Nachkriegsfilm kommt sie nicht mehr zu Wort. In der vom Filmarchiv Austria kuratierten ersten Werkschau zeigen die wiederentdeckten Arbeiten eine beeindruckende Filmkünstlerin, die es neu zu bewerten gilt.

FILME (Auswahl)
DER MEINEIDBAUER (D 1926)
FRAUENARZT DR. SCHÄFER (D 1928)
DAS RECHT AUF LIEBE (D 1929)
MÄDCHEN AM KREUZ (D 1929)
DIE WARSCHAUER ZITADELLE (D 1929/30)

 

 

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