MADAME SATÃ | © Viennale

BRASILIEN ENTFLAMMT!

Eine Roadmap des brasilianischen Kinos
Das Konzept einer „nationalen Kinematografie“ ist ein grundsätzlich trügerisches, insofern Film wie Filme macherinnen und Filmemacher sich immer in Bewegung befinden und eine gemeinsame Filmsprache allenfalls in einem Prozess entwickelt wird, der unterschiedliche Dialekte kennt. Insofern bildet die vorliegende Auswahl, der territorialen wie ästhetisch-stilistischen Heterogenität unabhängigen brasilianischen Filmschaffens zum Trotz, unterschiedliche Facetten einer brasilianischen Malaise ab, deren politische Eckpfeiler von den beiden Polen Lula da Silva und Bolsonaro markiert werden.
Der Grund für die Wahl dieser Filme ist der Versuch, einen Moment im brasilianischen Kino zu skizzieren, der Anfang dieses Jahrhunderts beginnt und sich im letzten Jahrzehnt verdichtet. Sie ermöglichen es uns, die poetischen und politischen Veränderungen in dieser Zeit zu verstehen. So konzentrieren sich einige Filme auf die jüngste politische Situation, während sich andere mit Klassenunterschieden befassen. Wiederum andere greifen die stets latent vorhandene Rassenfrage auf, untersuchen die Präsenz indigener Völker in der brasilianischen Gesellschaft, richten den Fokus auf den Kampf um Landbesitz und folgen der sich stets ändernden Identität eines heterogenen Volkes. Zudem haben wir einige Titel von Filmemachern der Vergangenheit inkludiert, die einen indirekten Widerhall in den Empfindungen und Phantasien neuer Regisseure dieses Jahrhunderts finden. Titel, die auch verdeutlichen, dass die Filmemacher von heute die Filmtraditionen ihres Landes nicht vergessen haben. Dies ist eine Kartographie des zeitgenössischen brasilianischen Kinos, eine Möglichkeit, einen Einblick in all das zu gewinnen, was in Nachrichten, Berichten und Statistiken nie vollständig dargestellt werden kann. Brasilien brennt, und seine Wut, Trostlosigkeit, Sehnsucht, Gewalt, Hoffnung, Unterdrückung und Freude werden in der schönen Sprache des Kinos festgehalten, die uns erlaubt, alles auf eine andere Art und Weise zu sehen.

 

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A VIZINHANÇA DO TIGRE
Affonso Uchôa, 2014

AOPÇÃO OU AS ROSAS DA ESTRADA
Ozualdo Ribeiro Candeias, 1981
 

JOVENS INFELIZES OU UM HOMEM QUE GRITA NÃO É UM URSO QUE DANÇA
Thiago B. Mendonça, 2015

MADAME SATÃ
Karim Aïnouz, 2002

PLANO CONTROLE
Juliana Antunes, 2018

O PRISIONEIRO DA GRADE DE FERRO (AUTO-RETRATOS)
Paulo Sacramento, 2003