PREISTRÄGER DER VIENNALE 2017

Die Preisverleihungen der Viennale 2017 fanden im Gartenbaukino im Rahmen der Abschlussgala statt.

WIENER FILMPREIS

Jury: Gregor Eichinger, Till Fellner, Olga Flor, Bettina Hering, Voodoo Jürgens.
Zum neunten Mal wird der «Wiener Filmpreis» gesondert in den Kategorien «Spielfilm» und «Dokumentarfilm» vergeben. Es gibt zwei gleichwertige Auszeichnungen, von denen jede mit Geldspenden und Sachwerten in der Höhe von rund 11.000 Euro dotiert ist. Die Viennale bedankt sich aus diesem Anlass sehr herzlich bei «BLAUTÖNE» und «viennaFX» sowie dem Kulturamt der Stadt Wien. Durch die Großzügigkeit und das Engagement aller Beteiligten ist der «Wiener Filmpreis» weiterhin Ermutigung und Anerkennung für die Arbeit österreichischer Filmemacher und Filmemacherinnen.

Spielfilm
DIE LIEBHABERIN, Lukas Valenta Rinner, A/Südkorea/Argentinien 2016
Auszug aus der Jurybegründung:
In Lukas Valenta Rinners Spielfilm DIE LIEBHABERIN finden wir in bildstarken, fast surrealen Kameraeinstellungen den Entwurf zweier konträrer Gesellschaftsmodelle. Die reiche und Gated Community von Buenos Aires lebt in unmittelbarer und unversöhnlicher Nähe einer Gemeinschaft, die sich der freien Liebe und der Freikörperkultur verschrieben hat. Für die Hausangestellte Belén wird der Übertritt in diese scheinbar entgrenzte Gesellschaft zu einer raffiniert gezeigten fiktiven inneren Befreiung. Lakonisch und mit filmisch drastischen Mitteln erzählt Lukas Valenta Rinner von der Unmöglichkeit, diese unterschiedlichen Ideologien zu überwinden, geschweige denn miteinander zu versöhnen. DIE LIEBHABERIN beeindruckt als Parabel unserer heutigen fundamentalen kulturellen Differenzen genauso wie als mutiger cineastischer Schritt.

Dokumentarfilm
UNTITLED, Michael Glawogger, Monika Willi, A/D 2017
Auszug aus der Jurybegründung:
Vor drei Jahren ist der Filmemacher Michael Glawogger auf eine Reise aufgebrochen, von der er nicht zurückkam. Er wollte einen «Film ohne Namen» drehen, es war sein Lebensprojekt, ein lang gehegter Traum. Mona Willi ist es zu verdanken, dass das Material, das bis zu seinem Tod in Liberia entstanden ist, in seinem Sinn zu einer eindringlichen cineastischen Reise montiert wurde. Es ist eine Fahrt, die wohl kaum einer von uns tatsächlich unternehmen würde, die uns jedoch packt und mitnimmt – durch den Balkan über Italien bis nach Afrika. Explizit ohne Ziel, ohne Plan, nur dem Zufall verpflichtet. Entstanden ist ein flirrendes, bildgewaltiges Porträt der Welt samt ihren menschlichen Abgründen und Schönheiten – ohne Handlung, ohne Wertung, dafür stets in Bewegung. «Nicht warten, sondern immer weiterfahren», lautete das Credo von Michael Glawogger. Mit UNTITLED setzt Mona Willi die Reise fort, ohne ihn, und doch mit ihm, und mit einem Ende, das offen bleibt.

STANDARD-VIENNALE-PUBLIKUMSPREIS

Jury: Robert Jolly, Gabriele Keller, Michael Schober, Selina Ströbele, Julia Tanzer.
Der Preis der Standard-Leserjury geht an einen Film, der noch keinen Verleih in Österreich hat und dem ein Kinostart in Österreich besonders empfohlen wird. Findet der Film einen Verleih, ist der Kinostart mit kostenlosem Anzeigenraum in der Tageszeitung «Der Standard» verbunden. Der STANDARD-PUBLIKUMSPREIS geht an:

L’INSULTE, Ziad Doueiri, F/Libanon 2017
Auszug aus der Jurybegründung:
Der Preis der diesjährigen Standard-Publikumsjury geht an einen vielschichtigen Film, der es schafft Komödie, Historiendrama, und Politthriller in einzigartiger Weise zu verschmelzen, ohne dabei den Bezug zu einer emotional aufgeladenen globalen Gegenwart zu verlieren. Während sich die Fronten um sie herum immer mehr verhärten, Emotionen instrumentalisiert werden und nie verarbeitete kollektive Traumata mit erneuter Gewalt ausbrechen, lernen die beiden Protagonisten langsam, dass es keine einfachen Antworten gibt und sie sich der eigenen Vergangenheit stellen müssen, um ihre Menschlichkeit wiederzufinden, die es ihnen erlaubt sich auf den Standpunkt des anderen einzulassen. In einer Zeit, in der sich politische Konflikte überall auf derWelt zuzuspitzen scheinen, wird der Film somit zum Plädoyer für mehr Miteinander, mehr Empathie und mehr Verständnis und GEGEN das sture Beharren auf ideologischen Standpunkten.

FIPRESCI PREIS (PREIS DER INTERNATIONALEN FILMKRITIK)

Jury: Robenson Eksiel (Flix.gr), Iryna Marholina (Seance.ru), Michael Omasta (FALTER).
Zur Auswahl steht eine Reihe von Erst- und Zweitfilmen von RegisseurInnen. Der FIPRESCI-PREIS geht an:

DISTANT CONSTELLATION, Shevaun Mizrahi, USA/Türkei 2017
Auszug aus der Jurybegründung:
Der Preis der internationalen Filmkritik geht an den Dokumentarfilm DISTANT CONSTELLATION von Shevaun Mizrahi für die Art und Weise, in der er den Begriff Zeit auf einer konkreten sowie einer metaphorischen Ebene erkundet und ein Altersheim in Istanbul als Mikrokosmos des 20. Jahrhunderts beleuchtet.

ERSTE BANK MehrWERT-FILMPREIS

Jury: Silvia Bohrn, Nicolas Mahler, Boris Manner.
Die Erste Bank vergibt heuer zum siebten Mal den «Erste Bank MehrWERT-Filmpreis» unter den bei der Viennale 2017 präsentierten Filmen österreichischer FilmemacherInnen. Der Preis besteht aus einem Aufenthalt in New York City mit Unterbringung, Reisekosten und finanziellem Zuschuss. Der Erste Bank MehrWERT-Filmpreis ist eine Kooperation mit der Viennale, dem Deutschen Haus at NYU sowie dem Austrian Cultural Forum New York und dem Anthology Film Archives. Der MehrWERT-Filmpreis geht an:

GWENDOLYN, Ruth Kaaserer, A 2017
Auszug aus der Jurybegründung:
Ein wundervoll aufmerksamer Film, der die Zuschauer von Beginn an in seinen Bann zieht. Scheinbar beiläufig entfaltet er ein vielschichtiges Panorama an menschlichen Beziehungen, die zwischen unterschiedlichsten Lebenswelten angesiedelt sind. In einem bestechend klaren dramaturgischen Aufbau entwickelt sich die Geschichte einer außergewöhnlichen und starken Frau, die uns Schritt für Schritt näher gebracht wird. Es gelingt der Regisseurin die Grenzen zwischen Dokumentation und Spielfilm verschwinden zu lassen. Ein feinsinniger Film, der zum Leben verführt.