Special: Napoli, Napoli

Am Fuße des Vesuv findet Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre ein erstaunlicher Kreativitätsausbruch statt; eine neue Generation neapolitanischer FilmemacherInnen taucht schlagartig auf und legt eindrucksvolle Debütfilme vor. Sie haben einen unterschiedlichen Background an Bildung und Arbeitserfahrung, doch ihr gemeinsamer Nenner ist die Stadt Neapel. Mit ihrer geschichtsträchtigen Vergangenheit, ihren Traditionen, ihrer abwechslungsreichen Topografie, ihrem widersprüchlichen Charakter voller Leidenschaft und Gefahr, Hoffnung und Verzweiflung, stellt Neapel, das zu den am meisten gefilmten Städten Italiens zählt, ein einzigartiges Universum dar. Als Reaktion auf die traditionelle Postkartendarstellung, die bis dahin Neapels volkstümliche Filme geprägt hat, machen sich diese jungen RegisseurInnen daran, die Stadt und ihr Leben mit unbefangenem und kritischem Blick zu erforschen. Ihren formal äußerst unterschiedlichen Filmen liegt eine ähnliche Intention zu Grunde: die brisante soziopolitische Lage Neapels zu hinterfragen – von den bahnbrechenden Filmexperimenten Antonio Capuanos zu den schrillen Bildern Pappi Corsicatos, von den prägnanten Schilderungen Mario Martones zu den sensiblen Erzählungen Antonietta De Lillos, von den poetisch-dokumentarischen Chroniken Vincenzo Marras zur einzigartigen Weltdarstellung Antonio Gaudinos. Kurz: eine außergewöhnliche Neapelreise jenseits üblicher Klischees. 

Anhand von ausgewählten Spielfilmen, die die Kritik „Neues Neapolitanisches Kino“ nennt, bietet die Viennale eine außergewöhnliche Neapelreise jenseits üblicher Klischees und legt einen der spannendsten Momente des neueren italienischen Filmschaffens offen, das bis heute seine ungebrochene Lebendigkeit bewahrt hat. 
Kuratiert von Maria Giovanna Vagenas.