Special Program JORGE ACHA © Viennale

JORGE ACHA

Aus der geheimen Geschichte des argentinischen Kinos

In der Geschichte des Kinos – sei es die Filmgeschichte eines Landes oder die Geschichte eines Landes namens Kino – gibt es ehrwürdige Namen und goldene Zeitalter ebenso wie Fußnoten und vergessene Namen. Zu letzteren zählt der argentinische Filmemacher Jorge Acha, der nur 49 Jahre alt wurde. Acha war ein hervorragender Maler, er schrieb über das Kino und er drehte zwischen 1987 und 1992 drei bemerkenswerte Langfilme (sowie einige Kurzfilme). Die Syntax dieser Arbeiten bricht gänzlich mit klassischer Linearität und ästhetischem Maß. Vielmehr sammeln Achas Werke verschiedene Episoden, die sich mit einer spezifischen Situation assoziieren lassen: die Inhaftierung eines politischen Gefangenen während der argentinischen Militärdiktatur (HABEAS CORPUS); die Unstimmigkeiten zwischen einem wahnwitzigen nationalistischen Projekt und jenen, die für dessen Konstruktion verantwortlich zeichnen (STANDARD); und die Reise in den Dschungel, auf die sich zwei renommierte europäische Wissenschaftler auf ihrer Suche nach Erkenntnis begeben (MBURUCUYÁ). In allen drei Fällen endet die eigentliche Geschichte als ein uneingelöstes Versprechen, und wird überlagert von einer sinnlichen Intensität, die zuvörderst dazu dient, die Emotionalität des Protagonisten zum Ausdruck zu bringen.

In Enzyklopädien und im argentinischen oder lateinamerikanischen Filmunterricht fehlt der Name Jorge Acha für gewöhnlich. Wahrscheinlich, weil seine Filme selten einen Verleih gefunden haben und daher kaum bekannt sind. Acha ist eines der größten Geheimnisse des argentinischen Kinos; sein frühzeitiger Tod bedeutete auch das vorzeitige Ende eines Werkes, das noch von großem Einfluss hätte sein können. Seine Relevanz jedenfalls wird durch seine formale Raffinesse und die ungewöhnlichen konzeptionellen Interessen, die sich darin ausdrücken, belegt.