Special Program JEAN-FRANÇOIS STÉVENIN © Viennale

JEAN-FRANÇOIS STÉVENIN

Freiheit und Flexibilität

Jean-François Stévenin, geboren 1944 in Lons-le-Saunier im französischen Jura, ist einer jener wenigen Schauspieler, die wie eine zum Leben erwachte Romanfigur wirken. Ein außergewöhnlicher Charakter; eine wandelbare, schwer einzuordnende Persönlichkeit; ein Schauspielkünstler, dessen schiere Präsenz die Raffinesse der Darstellung mitgestaltet: Bigger than Life. Und auch dies ist wahr: Stévenin ist eine Legende der – nicht nur physischen – Flexibilität. Was auch seine Filmografie belegt: Mehr als hundert Filme (die beeindruckende Zahl der TV-Produktionen nicht mitgerechnet) in den unterschiedlichsten Genres und Registern – von der großen Produktion bis zum Low-Budget-Autorenfilm. Kurz: Von seinem Debüt in Cavaliers LA CHAMADE (1968) über Rollen in Filmen von Truffaut, Rivette, Mocky, Demy, Godard und Breillat sowie von Grandperret, Téchiné, Ruiz, Vecchiali, Schroeter, John Irvin und Huston bis hin zu seinen jüngsten Darstellungen in Werken von Ramos schwimmt Stévenin kreuz und quer durch den großen Ozean des Kinos.

Drei Mal begab er sich auch hinter die Kamera: PASSE-MONTAGNE (1978), DOUBLE MESSIEURS (1986) und MISCHKA (2002) sind beeindruckende Filme von unvergleichlicher stilistischer und narrativer Freiheit, deren Bilder und Tonschnitt die kinematografische Sprache neu erfinden. Sie erzählen zittrige, fragmentierte Geschichten über mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, freundschaftliche, liebende oder familiäre Gemeinschaften aufzubauen. Doch diese Gemeinschaften scheinen sich niemals zu stabilisieren – im Gegenteil, es werden stattdessen Fluchtpläne geschmiedet.

Und wir sind nun also eingeladen, diesen Fluchten – mit dem größten Vergnügen – beizuwohnen. Stévenins drei Regiearbeiten, die fast zehn Jahre lang nicht verfügbar waren, wurden im September 2017 sorgfältig restauriert.

In Anwesenheit von Jean-François Stévenin.