VIE RÊVÉE DES ANGES

V'98

LA VIE RÊVÉE DES ANGES

LIEBE DAS LEBEN

Erick Zonca
F, 1998
Spielfilme, 113min,

LA VIE RÊVÉE DES ANGES

Erick Zonca
F, 1998
Spielfilme, 113min,

Mit: 
Elodie Bouchez
Natacha Régnier
Grégoire Colin
Mit: 
Künstlerische Mitarbeit
Virginie Wagon
Drehbuch: 
Erick Zonca
Roger Bohbot
Ton: 
Jean-Luc Audy
Kamera: 
Agnes Godard
Schnitt: 
Yannick Kergoat
Ausstattung: 
Jimmy Vansteenkist
Kostüm: 
Françoise Clavel

Produktion: 
Les Productions Bagheera
Weltvertrieb: 
Mercure Distribution
Verleih in Österreich: 
Concorde Filmverleih
Format: 
35 mm
Farbe

Zu Beginn erinnern die Bilder an Agnès Vardas Vogelfrei oder Alain Tanners Messidor, wenn Isa mit ihrem Rucksack in Lilie ankommt und für kurze Zeit einen Job und ein Bett sucht. Die 20jährige Vagabundin trifft auf die gleichaltrige Marie, bei der sie übernachten kann. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit - die optimistische Isa ist eine geborene Überlebenskünstlerin, die skeptische und gegen alles revoltierende Marie zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück - stimmt die Chemie. Die Mädchen freunden sich an und versuchen gemeinsam, das Beste aus der Situation zu machen. Denn die ist schlecht: Die "working girls" haben kaum einen Franc in der Tasche, Maries Domizil ist nur auf Zeit, weil dessen Besitzerin und deren Tochter nach einem Unfall im Koma liegen. Die angebotenen Jobs sind mies, die Liebhaber nett, aber uninteressant, der Aufstieg in eine andere Gesellschaftsschicht ist verbaut. Als Marie einen reichen "fils à papa" kennenlernt, hofft sie auf eine bessere Zukunft. Doch Liebe und Sex währen nur kurz, die emotionale Enttäuschung endet in einer Tragödie. Differenziert entwickelt Zonca die Charaktere, die sich ergänzen und dennoch im Widerspruch aufeinanderprallen, beeindruckend Elodie Bouchez, wenn sie in großer Intensität versucht, das fremde, im Koma liegende Mädchen durch Worte in die Wirklichkeit zurückzuholen; berührend Natacha Régnier in ihrer fast leidenschaftlichen Selbstzerstörung. Im Stil des Cinema Vérité entwirft Zonca das Bild von Außenseitern, die auf sehr persönliche Weise den Traum vom kleinen Glück realisieren wollen. Die eine zerbricht an der Realität, die andere gewinnt an Stärke. Zonca weckt Sympathie für seine Protagonistinnen, geht behutsam mit ihnen um, setzt auf Gefühle. Trotz aller Traurigkeit lässt er ein Pünktchen Hoffnung. Die Kraft des Films liegt in seiner unprätentiösen Erzählweise, der schauspielerischen Leistung und in Agnes Godards sehr "intimer" Kamera. (Matthias Kittmann)