OR (MON TRÉSOR)

V'07

OR (MON TRÉSOR)

OR (MY TREASURE)

Keren Yedaya
Israel/F, 2004
Spielfilme, 100min, OmeU

OR (MON TRÉSOR)

Keren Yedaya
Israel/F, 2004
Spielfilme, 100min, OmeU

Mit: 
Ronit Elkabetz
Ruthie
Dana Ivgy
Or
Drehbuch: 
Keren Yedaya
Sari Ezouz
Ton: 
Tully Chen
Kamera: 
Laurent Brunet
Schnitt: 
Sari Ezouz

Produktion: 
Transfax Film Production 3 Yagea Kapayim Street 67778 Tel Aviv, Israel T 3 687 1202 sales@transfax.co.il
Weltvertrieb: 
Transfax Production 3 Yagea Kapayim Street 67778 Tel Aviv, Israel T 3 687 1202 sales@transfax.co.il
Format: 
35 mm
Farbe

Die 17-jährige Or lebt mit ihrer Mutter Ruthie in einem schäbigen Viertel von Tel Aviv. Seit zwanzig Jahren arbeitet Ruthie als Prostituierte, und viele Male hat ihre Tochter erfolglos versucht, sie vom Straßenstrich wegzubringen, ihr eine «bürgerliche» Tätigkeit zu vermitteln. Ors Alltag ist eine endlose Kette an Jobs, gelegentlichen Schulbesuchen und den beklemmenden Versuchen, ihrer Mutter Schutz zu bieten. Das Thema Prostitution wird in Or ohne Sentimentalität, moralische Wertung und voyeuristische Blicke verhandelt. Daraus erwächst ein Realismus, der die - meist aus männlicher Perspektive entworfenen und manchmal klischeehaften - Bilder dieses Topos untergräbt. Obwohl sich Vergleiche zu Bressons Mouchette und Dardennes Rosetta aufdrängen, stellen sich Or und Ruthie nicht in die Tradition von Frauen, deren Mystifizierung ein Scheitern vorangehen muss: Or und Ruthie stehen vielmehr mitten in einer alten gesellschaftlichen Tradition zwischen Tabu und Marginalisierung. Or ist ein Film, der sich tief ins Gedächtnis brennt, weniger mit einzelnen Szenen als durch die intensive Atmosphäre, Ergebnis der reduziert-ausdrucksvollen Darstellung sowie der außergewöhnlichen Bildführung, die Keren Yedaya und ihrer Kamerafrau Laurent Brunet die Camera d'Or in Cannes 2004 einbrachte: Statisch wird das Geschehen aus der Distanz und in Nahaufnahmen beobachtet, folgt Brunet den Bewegungen der Protagonistinnen nicht, sondern entlässt sie immer wieder aus dem Fokus - und lässt sie damit quasi aus dem Rahmen fallen. Diese roh kadrierte Mise-en-Scène, gleich einer Fragmentierung, entspricht den Emotionen der Protagonistinnen ebenso wie ihrer gesellschaftlichen Randstellung. Während ich Or schrieb, war ich sehr an Kameraführung interessiert. Ich steuerte etwas an, das roh und kaum formatiert war, ich wollte an den Beginn des Kinos zurück. Pasolini formte eine Analogie zwischen Film und Sprache. Ich glaube, dass unsere Kontrolle über die Filmsprache noch auf dem Niveau von Volksschülern ist. (Keren Yedaya)