LÉO - EN JOUANT «DANS LA COMPAGNIE DES HOMMES»

V'04

LÉO - EN JOUANT «DANS LA COMPAGNIE DES HOMMES»

IN THE COMPANY OF MEN

Arnaud Desplechin
F, 2003
Spielfilme, 121min, OmeU

LÉO - EN JOUANT «DANS LA COMPAGNIE DES HOMMES»

Arnaud Desplechin
F, 2003
Spielfilme, 121min, OmeU

Mit: 
Sami Bouajila
Léonard
Jean-Paul Roussillon
Henri Jurrieu
Hippolyte Girardot
William de Lille
Wladimir Yordanoff
Hammer
Bakary Sangare
Jonas Servun
Anna Mouglalis
Ophélie
Drehbuch: 
Arnaud Desplechin
Nicolas Saada
Emmanuel Bourdieu nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Edward Bond
Ton: 
Laurent Benaïm
Sophie Laloy
Gaël Ségalen
Kamera: 
Stéphane Fontaine
Schnitt: 
Laurence Briaud
Musik: 
Paul Weller
Krishna Levy
Ausstattung: 
Dan Bevan
Kostüm: 
Nathalie Raoul

Produktion: 
Why Not Productions 1 bis, cité Paradis 75010 Paris, Frankreich T 1 48 24 24 50 whynot@wanadoo.fr
Weltvertrieb: 
Wild Bunch 99 rue de la Verrerie 75004 Paris, Frankreich T 1 53 01 50 26 lkalmar@exception-wb.com
Format: 
35 mm
Farbe

Léonard, Adoptivsohn eines großen Waffenhändlers, versucht, sich aus der Welt krimineller Machenschaften und rücksichtsloser Intrigen zu befreien und gerät dabei in ein Komplott, das ihn noch tiefer in den erpresserischen Kannibalismus seines Vaters verstrickt. Arnaud Desplechin überrascht mit einer gewagten politischen Fabel von großer poetischer Kraft, changierend zwischen rauer Video-Improvisation und kalkulierter kinematographischer Inszenierung. Es ist keine einfache Formensprache, die Arnaud Desplechin für seine Adaption des Bühnenstücks des britischen Autors Edward Bond wählt. Desplechin perforiert seine Erzählung gnadenlos: zeitliche Sprünge, Erinnerungsschübe und Einsprengsel aus der Außenwelt Kriegsbilder aus dem Fernsehen zerstückeln die Narration. Blasse Videosequenzen der Schauspieler, die ihre Rollen in kargen Räumen erarbeiten, hebeln die Dramaturgie des Mächtereigens aus und fordern eine selbstreflexive Ebene. Eine hypernervöse Handkamera stellt den leisesten Machtdemonstrationen und inneren Zerrüttungen der Protagonisten nach. Selbst der Score des Films will keinem einfachen Flow erliegen, pendelt schroff zwischen Paul Wellers Gitarrenriffs und den Esoterik-Klängen Krishna Levys. Die ständigen Rhythmus- und Perspektivenwechsel fordern dem Zuseher einiges ab, entwickeln aber eine erstaunlich suggestive Wirkung. Ein dichtes symbolisches Geflecht aus herrschaftskritischen und religiösen Anspielungen verstärkt diese Wirkung bis ins Mythische. So führt Desplechin seiner primären Erzählebene eine zusätzliche Bedeutung bei: die ödipale Vater-Sohn-Beziehung nach Shakespearescher Dramaturgie. Am Ende schließlich verschmelzen der weiße Vater, der dunkle Sohn und der schwarze Diener in einer Dreifaltigkeit, die in Tod und Erlösung endet. Ein überbordendes Werk, dessen Grenzgänge durch die von Desplechin eingeforderte Praxis der Selbstreflexion auf Kurs bleiben. (Gunnar Landsgesell)