Là-BAS

V'11

Là-BAS

Down There

Chantal Akerman
F/B/Israel, 2006
79min, OmeU

Là-BAS

Chantal Akerman
F/B/Israel, 2006
, 79min, OmeU

Produktion: 
AMIP, Paradise Films, Le Fresnoy
Weltvertrieb: 
Verleih in Österreich: 
BetaSP/Farbe

Eine Einstellung in Tel Aviv, da unten, là-bas: ein Fenster, durch Bambusrollos schraffiert, eine Balkontür – ein Bild, das sich bis zuletzt der Entzifferung verweigert, im Halbdunkel Möbel, Stühle und ein Tisch, an dem nie jemand Platz nimmt. Ein Hopper-Raum, eine Malewitsch-Abstraktion. Gegenüber eine Straßenschneise, Häuserfassaden mit anderen Balkonen und Dachterrassen, auf dem ältere Paare die Stunden verbringen, reden, sitzen, trinken, rauchen. Sie wollte diesen Film nicht machen, sagt Akerman, «und dann passierte es.» Der Auslöser, der verzögert das erste Bild und in seinen Variationen den ganzen Film hervorbringt, ist ein Attentat, da unten, nur wenige Meter entfernt. Anders als in Alfred Hitchcocks Fenster zum Hof ereignet sich der Schrecken nicht in, sondern vor den Bildern, die leer und leerer werden – um sich dann und wann mit einer Frauenstimme zu füllen, die einen Telefonanruf beantwortet, von einer jüdischen Kindheit im Belgien der Nachkriegszeit spricht, der mütterliche Angst die Welt versperrte, von der Erschütterung durch den Selbstmord einer Tante, oder die Besorgnis vor einem weiteren Anschlag beschwichtigt. In diesem minimalistischen, asketischen Film, der die Gedanken ungeduldig wandern lässt, ist es das größte Drama, wenn der Blick plötzlich ins Freie geht, drei oder vier Mal, auf den Strand und das Meer oder den verhangenen Abendhimmel, durch den ein Flugzeug zieht, ein Blick mit dem Schrecken im Rücken. Karsten Visarius «epd Film», 4/2006