CHEYENNE AUTUMN

V'04

CHEYENNE AUTUMN

John Ford
USA, 1964
147min, OF

CHEYENNE AUTUMN

John Ford
USA, 1964
, 147min, OF

Mit: 
Richard Widmark
Cpt. Thomas Archer
Carroll Baker
Deborah Wright
James Stewart
Wyatt Earp
Edward G. Robinson
Innenminister Carl Schurz
Karl Malden
Cpt. Wessels

Produktion: 
Ford-Smith Productions, Warner Brothers (Bernard Smith)
Weltvertrieb: 
Verleih in Österreich: 
35 mm/Farbe

In den 1870er Jahren beginnen die durch Hungersnot und Krankheiten ausgezehrten letzten überlebenden Cheyenne einen langen Marsch aus ihrem Reservat in Oklahoma zurück in ihre Heimat Dakota, mit ihnen eine junge Lehrerin. Von Soldaten verfolgt, von Cowboys gejagt, bleibt ihnen keine Chance, und auch die Büffelherden, die sie zu finden hofften, sind längst ausgerottet. Wie J. L. Comolli aufgezeigt hat, darf man Cheyenne Autumn nicht als plötzliche Kehrtwendung John Fords sehen, sondern als letztes Kapitel einer mit The Searchers begonnenen Serie. In Cheyenne Autumn steht der Indianer nicht so sehr als Person im Mittelpunkt des Films (tatsächlich handelt es sich um eine Gruppe dahinziehender Indianer), sondern vielmehr als Spiegel Amerikas und seiner Widersprüche. Jeder sieht und erkennt in diesem anderen einen Teil der (bewußten oder unbewußten) Verantwortung am Desaster; zum Völkermord bezieht Ford sofort Stellung: Er filmt die Cheyenne mit Aufmerksamkeit und Gefühl. Cheyenne Autumn ist ein zutiefst bewegender und schöner Film, weil John Fords Blick nur einer unter so vielen ist. Ford zwingt dem Zuschauer keinen alleingültigen Blick auf: kein Moralismus, sondern auch und vor allem eine geteilte Verantwortung. Cheyenne Autumn leidet in einigen Momenten an etwas, das manche als Aufsplitterung und Unordnung bezeichnen könnten. Merken wir zuallererst an, daß der Film ohne Wunsch des Autors brutal neu geschnitten wurde. Fügen wir hinzu, daß die Konstellation von Blicken dem Film keineswegs abträglich ist, sondern ihn letztendlich bereichert, weil sich die stärksten durchsetzen. Der Film spielt mit der Dichotomie der Blicke seiner Figuren und gibt am Ende den Gerechten Recht. Ford hat für die Propaganda gearbeitet und weiß nur zu gut, daß diese Waffe nach hinten losgehen kann. Cheyenne Autumn ist sicher nicht scheinheilig, sondern schlicht die Frucht des gesunden Menschenverstandes (also der Traurigkeit) seines Schöpfers. (Nicolas Saada)