Festivalarchiv 97

Festivalinfo

1997 übernahm Hans Hurch, ehemals Journalist und Kurator des Projekts "hundertjahrekino", die Leitung der Viennale. Neuerungen, die sich im übrigen sofort bewährten, waren die Etablierung einer durchgehenden Nachtschiene im Gartenbaukino, und die Errichtung des Viennale-Zelts im Stadtpark als gesellschaftlicher Treffpunkt für alle Viennale-Besucher und Gäste, sowie für Presse und Branche. Es fanden unzählige Publikumsgespräche mit Regisseuren und Tribute-Trägern statt.
In der Retrospektive wurde eine umfassende Werkschau des italienischen Meisterregisseurs Roberto Rossellini geboten.

 

Trailer

MARTIN ARNOLD: PSYCHO

Der Trailer zeigt eine einminütige Einstellung eines Duschkopfes, der – zentral in die Bildmitte gesetzt – beinahe die gesamte Leinwand ausfüllt. Aus dieser ornamental wirkenden, metallenen, runden Dusche fließt plötzlich laut strömendes Wasser, das akustisch bald von einer düsteren Musikphrase überlagert wird. Diese lässt spätestens dann, wenn auch noch der Schrei einer weiblichen Stimme einsetzt, vermuten, dass es sich hier um die Dusche in Hitchcocks PSYCHO handeln könnte. Doch vor jeder weiteren Möglichkeit, darüber Gewissheit zu erlangen, wird das Wasser im Bild abrupt wieder abgedreht und mit ihm das verwirrende Geschehen auf der Tonebene zum Verstummen gebracht.

Indem Martin Arnold diesen Ausschnitt aus dem mittlerweile Geschichte gewordenen Film Hitchcocks auswählte und mit den Möglichkeiten digitaler Retusche umgeschrieben und neu komponiert hat, führt er uns mit diesem Spot ein kurzes, aber dichtes Stück zeitgenössischer Ästhetik vor Augen. Diese ist vor allem der Verdichtung und Auslassung verpflichtet, durch die hier nicht nur die filmische Narration auf jeder ihrer Ebenen als kinematographische und ästhetische Inszenierung sichtbar gemacht wird, sondern mit der man gerade durch die auflösende Neubearbeitung der traditionellen filmischen Formen auch Spannung, Erregung und Lust erzeugen kann.

 

 

MARTIN ARNOLD: PSYCHO

A 1997, 1 Minute
35 mm/1:1,66/Schwarzweiß
Konzept, Bearbeitung und Realisation: Martin Arnold
Produktion: Martin Arnold für Viennale
Weltvertrieb: Martin Arnold, Staudgasse 72/23, 1180 Wien, T+F +43 1 403 69 54

MARTIN ARNOLD
Geboren 1959 in Wien; Studium der Psychologie und Kunstgeschichte an der Universität Wien; seit 1988 Filmemacher; 1995 Gastprofessor an der University of Wisconsin in Milwaukee; 1996–1997 Gastprofessor am San Francisco Art Institute; 1998/99 Gastprofessor an der Academy of Fine Arts in Frankfurt a. M.; lebt und arbeitet in Wien. Martin Arnold ist einer der profiliertesten Filmemacher Österreichs im Bereich des strukturellen/experimentellen Kurzfilms. Seine Arbeiten waren immer schon sehr klar strukturiert und konzeptionell orientiert, arbeiteten mit den Rhythmen von Fast Forward und Rewind.

Filme (Auswahl): O.T.1 (1985), O.T.2 (1986), PIÈCE TOUCHÉE (1989), REMISE (1993), JESUS WALKING ON SCREEN (1993), PASSAGE À L’ACTE (1993), IN FUTURUM (1994), BRAIN AGAIN: SPOT (1994), DON’T / DER ÖSTERREICHFILM (1996), ALONE. LIFE WASTES ANDY HARDY (1998), DEANIMATED (2002), JEANNE MARIE RENÉE (2002), SHADOW CUTS (2010).

Sujet

Sujet der Viennale 1997
Konzept und Realisation: Perndl Büro für Grafik
© Viennale

 

Photos

Filmpreis

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 1997 ging der Wiener Filmpreis an:

DAS JAHR NACH DAYTON
Nikolaus Geyrhalter, A/Bosnien 1997

Jury: Pamela Russmann, Walter Gellert, Peter Angerer, Kurt Hofmann