V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

Festivalarchiv 05

Festivalinfo

12 Tage, 305 Kinovorführungen und ein neuer Besucherrekord: ein weiteres ereignisreiches Festival mit großartigen Filmen, tollen Gästen und spannendem Rahmenprogramm...
HAUPTPROGRAMM
Insgesamt 86.200 Filmbegeisterte besuchten 2005 die mittlerweile 5 Kinos der Viennale. Neben einigen vorauszusagenden Kassenschlagern des Hauptprogramms, wie zum Beispiel dem Eröffnungsfilm MATCH POINT von Woody Allen, Miranda Julys ME AND YOU AND EVERYONE WE KNOW, dessen Frühstücksscreening sogar um halb sieben Uhr Früh ausverkauft war, oder auch dem neuen Werk der Dardenne-Brüder L'ENFANT und die außergewöhnliche philippinische 11-Stunden-Familienchronik EBOLUSYON NG ISANG PAMILYANG PILIPINO von Lav Diaz, fanden auch eine beachtliche Zahl jener Filme großen Anklang, die keine so großen Namen wie Scorsese, oder Clooney vorzuweisen haben: zum Beispiel die deutsch-indische Dokumentation BETWEEN THE LINES - INDIENS DRITTES GESCHLECHT, Aoyama Shinjis ELI, ELI, LEMA SABACHTHANI?, oder der marokkanische Film L'ENFANT ENDORMI.

TRIBUTES & SPECIAL PROGRAMS
Neben den Filmen des Hauptprogramms lockten die Special Programs zum portugiesischen Filmemacher Pedro Costa, der chinesischen Stummfilmdiva Ruan Lingyu, die Programmschienen Proletarisches Kino und ORF 3, sowie die Tributes an das Kino rund um Buenos Aires, sowie an die Kultschauspielerin Jane Birkin mit einer großen Auswahl ihrer vielfältigen Filme die Viennale-Besucher in die Kinos.

RETROSPEKTIVE - Andy Warhol Filmmaker

Im Rahmen der Retrospektive 2005 "Andy Warhol Filmmaker" zeigte das Österreichische Filmmuseum neben Warhols legendären Screen Tests eine Reihe von Arbeiten aus seiner Zeit in der Factory.
Begleitend zur Retrospektive präsentierte die Viennale eine Serie von Lectures, Gesprächen und Interventionen mit dem Titel "Why Warhol Matters", die sich auf unterschiedlichste Weise speziell mit Warhols Filmarbeit, aber auch seinem übrigen künstlerischen Schaffen befassten.

 

Trailer

KEN JACOBS: INCENDIARY CINEMA

Das Bild auf der Leinwand flackert unruhig in einem zwar regel-, aber nicht gleichmäßigen Rhythmus. Zu sehen ist eine weiße, waagerechte, vibrierende Linie vor schwarzem Hintergrund. Zunehmend stärker wird sie, die Linie, dichter, dicker – sie «öffnet» sich, als wenn ein Bild erscheinen wolle, ein Fenster. Da teilt sich das Filmbild in zwei Hälften, eine obere und eine untere. Immer noch flackert es unruhig. Der Rhythmus verstört: schwarz/weiß schwarz/weiß weiß/schwarz etc. Abrupter Schnitt auf einen Spielplatz; vermutlich handelt es sich um Found-Footage-Material. Es wird farbig. Ton setzt ein: Kinderkreischen ist zu hören. Die Kamera schwenkt von einem mit Linien und unleserlicher Schrift versehenen Blatt nach oben, zeigt den von einem Gitter umzäunten Spielplatz. Kinder krabbeln im Sand. Erwachsene sitzen auf Bänken, passen auf. Eine eingezäunte Spielwiese. Ein Festival? Und schon wird es wieder abstrakt. Zum Schluss erscheint ein Kreis auf der Leinwand, wiederum heftig flackernd, unruhig pochend: schwarz weiß schwarz. Wie ein Herz, das pocht. Die Pupille eines Auges. Ein Loch, in das man beim Schauen fast hineingesogen wird. Das Flackern wird langsamer die Zahl der Schwarzkader erhöht. Und der Zuschauer merkt auf.

«Incendiary Cinema» das heißt soviel wie aufrührerisches, aufhetzendes Kino. Der Filmstreifen wird nicht brav bebildert, sondern, könnte man sagen, soll verstören, soll aufstören und beunruhigen, soll auch empfänglich machen für Bilder, das Sehen. Eine kleine, durchaus heilsame Bombe vor dem Hauptfilm.

KEN JACOBS: INCENDIARY CINEMA

USA/A 2005, 1 Minute
35 mm/1:1:37/ Farbe und Schwarzweiß
Konzept und Realisation: Ken Jacobs
Line Editing: Nisi Jacobs
Produktion und Weltvertrieb: Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien,
T +43 1 526 59 47, office@viennale.at

KEN JACOBS
Geboren 1933 in Brooklyn, New York. Besucht die High School of Industrial Arts in New York und studiert Malerei. 1959 dreht er seine ersten Kurzfilme und avanciert bald an der Seite von Jack Smith zu einem der führenden Protagonisten des Avantgardefilms («Urban guerilla cinema»). Gründet den Millenium Film Workshop in New York und unterrichtet in der Folge Filmwissenschaft an der St. Johns University. 1969 gründet er gemeinsam mit Larry Gottheim die Filmabteilung an der State University of New York in Binghamton.
Filme (Auswahl): LITTLE STABS AT HAPPINESS (1960), TOM, TOM, THE PIPER’S SON (1969), NEW YORK GHETTO FISH MARKET 1903 (1992), THE MARRIAGE OF HEAVEN AND HELL HA FLICKER OF LIFEJ (1995), STAR SPANGLED TO DEATH (1959/2003), RAZZLE DAZZLE HTHE LOST WORLDJ (2007), CAPITALISM: CHILD LABOR (2007), NYMPH (2007), GIFT OF FIRE: NINETEEN HOBSCUREJ FRAMES THAT CHANGED THE WORLD (2008), THE SCENIC ROUTE (2008), THE DISCOVERY (2008), SEEKING THE MONKEY KING (2011).

Gäste

95 Filmgäste besuchten die Viennale 2005. Mit Begeisterung stellten sie ihre Filme vor und standen - oft noch nach Spätvorstellungen bis mitten in die Nacht - dem interessierten Publikum Rede und Antwort in den Kinosälen. Hier eine kleine Auswahl:

Jane Birkin, Viennale 2005 JANE BIRKIN
Jane Birkin wohnte dem Galascreening ihres Films "Dust" bei und hielt außerdem ein grandioses Konzert im Wiener Volkstheater ab.
Geboren wurde Jane Birkin am 14. Dezember 1946 in London. Mit 17 Jahren sammelte Jane erste Bühnenerfahrungen, zwei Jahre später gab sie mit einer kleinen Rolle in Richard Lesters THE KNACK ihr Filmdebüt. 1966 führte ihr Auftritt als Nacktmodell in Michelangelo Antonionis BLOW UP dazu, dass man sich in London über sie das Maul zerriss, während der Film in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Von 1965 bis 1968 war Jane Birkin mit dem Filmmusikkomponisten John Barry verheiratet; aus dieser Ehe stammt ihre erste Tochter Kate.
Den französischen Chansonier Serge Gainsbourg lernte Birkin durch den Regisseur Pierre Grimblat kennen, der eine englischsprachige Darstellerin für seinen Film SLOGAN suchte. Birkin und Gainsbourg waren von 1968 bis 1980 verheiratet, die gemeinsame Tochter Charlotte Gainsbourg ist inzwischen ebenfalls Schauspielerin. 1969 veröffentlichte das notorische Paar im prüden Frankreich den lasziv gestöhnten Song JE T'AIME MOI NON PLUS.
In den 1970ern erarbeitete sich Birkin in etlichen Kinoproduktionen einen exzellenten Ruf als geheimnisvolle erotische Schönheit. 1981 schließlich verliess sie Gainsbourg, um mit dem französischen Regisseur Jacques Doillon zusammenzuleben.
Jane Birkins cineastische Karriere umfasst inzwischen fast 100 Filme von Regisseuren wie Bertrand Tavernier, Agnès Varda und Jacques Rivette, in denen sie mit Kollegen wie Romy Schneider, Geraldine Chaplin, Dirk Bogarde und Peter Ustinov spielte.

Danny Glover, Viennale 2005DANNY GLOVER
Danny Glover war beim Screening von Lars van Triers neuem Film MANDERLAY, in dem er eine Nebenrolle spielt, dabei.Glover wurde am 22. Juli 1946 in San Francisco geboren. Nach seinem Abschluss am San Francisco State College war er zunächst Ausbilder am American Conservatory Theatre, wo er auch an einem Workshop für schwarze Schauspieler teilnahm. Seinen ersten Filmauftritt hatte er in Don Siegels FLUCHT VON ALCATRAZ (1979) mit Clint Eastwood. In den Folgejahren stand er, meist eher unauffällig, in einer Reihe von TV-Produktionen, aber auch bekannten Kinofilmen vor der Linse. Seine Filmographie aus dieser Zeit weist Titel auf wie Spielbergs DIE FARBE LILA (1985), Peter Weirs DER EINZIGE ZEUGE (1984) und Lawrence Kasdans Western SILVERADO (1985). Mit dem großen Box-Office-Hit ZWEI STAHLHARTE PROFIS von Richard Donner erreichte Glover 1987 Star-Status. Weiter Filme (Auswahl): MENSCHENKIND (Jonathan Demme, 1998), FREIHEITSMARSCH (Phil Alden Robinson, 2000), DIE ROYAL TENENBAUMS (Wes Anderson, 2001) und SAW (2004).

Stanley Kwan, Viennale 2005STANLEY KWAN
Stanley Kwan präsentierte seine beiden Filme CHANGHEN GE (China/Hongkong 2005) und YUEN LING-YUK (Hongkong 1991/2005). Geboren wurde Stanley Kwan 1957 in Hongkong. Er studierte Kommunikationswissenschaft am Babtist College in Hongkong, und arbeitete danach beim Fernsehen in verschiedenen Funktionen. Anfang der 80er Jahre Arbeit begann er seine Tätigkeit als Regieassistent. 1985 realisierte er mit WOMEN seinen Debütfilm. Internationalen Erfolg erlangte er durch seinen dritten Film ROUGE 1988. Weitere Filme (Auswahl): RED ROSE, WHITE ROSE (1995), YANG +/– YIN: GENDER IN CHINESE CINEMA (1996), STILL LOVE YOU AFTER ALL (1997).

Gerard Malanga, Viennale 2005GERARD MALANGA
Die Viennale 2005 zeigte nicht nur Malanga's filmisches Schaffen rund um Andy Warhol, sondern auch eine Retrospektive seiner photographischen Portraits. Gerard Malanga, Poet, Photograph, Filmemacher, wurde 1943 geboren und wuchs in der Bronx, New York, auf. Er veröffentlichte über 40 Jahre hinweg zahlreiche lyrische Werke. Hatte großen Einfluss auf viele von Andy Warhols Malereien und Filme in der Factory. Die "New York Times" nannte ihn "Warhols wichtigisten Verbündeten". Er spielte in einigen Warhol-Filmen und arbeitete mit Warhol an den beinah 500 verschiedenen 3-minütigen Screen Tests. 1969 gründeten er und Warhol das Magazin "Inter/VIEW".

Pedro Costa, Viennale 2005PEDRO COSTA
Dem portugiesischen Filmemacher widmete die Viennale 2005 ein Special Program. Pedro Costa wurde 1959 in Lissabon geboren. Er studierte Regie und Schnitt an der Filmschule Lissabon und arbeitete zunächst als Assistent für portugiesische Filmproduktionen. Mit 30 entstand sein erster Spielfilm O SANGUE (1990). Derzeit gilt er mit seinen 3 Spiel- und 2 Dokumentarfilmen als einer der radikalsten und eigensinnigsten Filmemachern seiner Generation: CAS DE LAVA (1994), OSSOS (1997), NO QUARTO DA VANDA (2000), OÙ GÎT VOTRE SOURIR ENFOUI? (2001).

 

Sujet

Sujet der Viennale 2005
Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

Photos

Hier finden Sie eine Auswahl der schönsten Gäste- udn Festivalfotos der Viennale 2005.

Rahmenprogramm

VIENNALE ZENTRALE
Natürlich gab es neben filmbezogenen Veranstaltungen auch jede Menge ergänzendes Rahmenprogramm in der bewährten Viennale-Zentrale im Dachgeschoß der Urania.
Lav Diaz, Viennale 2005Nicht nur die Filmgäste des Festivals brachten sich in die musikalische - zum Beispiel die Filmemacher an den Plattentellern William E. Jones, Thorsten Trimpop, Bill Daniel, Lav Diaz oder Monika Borgmann - und tänzerische Unterhaltung im Falle der exotisch-anmutenden Performance des Cross-Dancers Tang Tang ein, auch Formationen wie die Berliner "Die Türen", die "Cobra Killer" oder die Präsentation der neuen FM4-Compilation Sunny Side Up sorgten für ein gefülltes Dachgeschoß in der Urania.

Nicht zu vergessen natürlich die unzähligen Diskussionen, Lectures und Performances, wie zum Beispiel zum Thema "Biografische Konstruktionen im Kino" mit österreichischen Filmemachern als Teilnehmer, die zwei Gesprächsrunden "On Warhol" mit einer Reihe von Warhol-Freunden und -Experten, oder Rainald Goetz' Action-Essay "Democracy, Democracy".
PARTIES

Neben den beiden großen Galaveranstaltungen mit über 1000 geladenen Gästen - der festlichen Eröffnungsgala im Rathaus und dem ungezwungenen Abschlussfest im OST Klub - fand auch heuer wieder das traditionelle und allseits beliebte Lusthausfest zur Mitte des Festivals statt.
Jane Birkin, Viennale 2005AUSSTELLUNG & KONZERT

In der Charim Galerie wurde eine umfassende Retrospektive des Künstlers und Wegbegleiters Andy Warhols Gerard Malanga präsentiert.
Jane Birkin, der Stargast des Festivals, verzauberte ihre Fans nicht nur als legere, sympathische Frau beim Galascreening ihres Films DUST, sondern auch bei einem wunderbaren Konzertabend im Volkstheater, an dem sie ihr neues Album "Arabesque" vorstellte.

 

Filmpreis

STANDARD-VIENNALE-PUBLIKUMSPREIS

Im Jahr 2005 ging der STANDARD-Viennale-Publikumspreis an:

HONG YAN
Li Yu, China 2004

FIPRESCI PREIS

Im Jahr 2005 ging der FIPRESCI Preis an:

ESTAMIRA
Marcos Prado, Brasilien 2004

Jury: Manuela Cernat (Rumänien, Jury-Präsidentin), Diego Brodersen (Argentinien), Gunnar Landsgesell (Österreich)

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 2005 ging der Wiener Filmpreis an:

OPERATION SPRING
Angelika Schuster, Tristan Sindelgruber, A 2005

Besondere Erwähnung:
ROMANE APSA
Zuzana Brejcha, A/SK 2005

Jury: Clarissa Stadler (TV-Moderatorin), Günther Kaindlstorfer (Journalist), Alexander Syllaba (Cinema Paradiso, Journalist), Thomas Glavinic (Autor), Ulrike Steiner (Filmkritikerin)

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