V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

Festivalarchiv 04

Festivalinfo

285 Vorstellungen. 81 Retro-Vorstellungen. 289 Filme. 78 Filmgäste. 540 Akkreditierte. 1 Bonus Track Tag und 81.600 Zuschauerinnen und Zuschauer.

«Every film festival, no matter how well run, usually has a few problems. But in my three years attending the Viennale International Film Festival, I still haven’t found any problems at this one – of the dozens of domestic and international fests I’ve been lucky enough to attend, this one tops my list. The Viennale is the kind of event that can erase your cynicism about film festivals an renew your passion for cinema.» (IndieWIRE.com)

PREMIEREN

Im Rahmen der Viennale 2004 fanden eine Reihe von Welturaufführungen und internationalen Premieren statt, darunter: 13 LAKES  von James Benning, FEI-ZAO-JU (SOAP OPERA) von Wu Ershan, WILLIAMSBURG, BROOKLYN von Jonas Mekas, NICHT OHNE RISIKO von Harun Farocki, HAKOAH LISCHOT (WATERMARKS) von Yaron Zilberman, EVERYONE THEIR GRAIN OF SAND von Beth Bird und TRONA von David Fenster.
Als Überraschungsfilm zeigte die Viennale 2004 als weltweit erstes Festival und noch vor dem Start in den US-Kinos das Bio-Pic RAY von Taylor Hackford über die Musiklegende Ray Charles.
TRIBUTES & SPECIAL PROGRAMS

Die Tributes waren dem Stargast Lauren Bacall und dem Filmtheoretiker und -kurator Amos Vogel gewidmet.
Die Spezialprogramme waren dem japanischen Autorenfilmer Kooreeda Hirokazu, dem französischen Filmemacher Jean-PierreJ Gorin und dem ungarischen Regisseur Paul Fejos gewidmet. Ausserdem gab es eine Mitternachtsschiene unter dem Titel "Fear East".

Jean-Marie Straub, Jean-Pierre Gorin, Viennale 2004RETROSPEKTIVE - Die Früchte des Zorns und der Zärtlichkeit

Die Viennale, für die die Filme von Straub/Huillet seit langem wesentlicher Bestandteil ihres Programms sind, zeigte 2004 gemeinsam mit dem Filmmuseum eine vollständige Werkschau. Auf Einladung der Viennale haben Danièle Huillet und Jean-Marie Straub ihrer persönlichen Erfahrung und jahrelangen Beschäftigung mit Fords Kino folgend, eine Auswahl an Filmen des großen amerikanischen Regisseurs erstellt.

VIENNALE ZENTRALE

Als Festivaltreffpunkt bestens bewährt, hat sich auch 2004 die Viennale Zentrale im Dachsaal der Urania. Dort fanden zahlreiche Diskussionsveranstaltungen, Publikumsgespräche, die "Working Class" heuer mit den Lectures von Jean-Pierre Gorin, Partys und Events statt.
Musikalische Highlights waren die Konzerte von "Gonzales" am Eröffnungsabend und "Von Spar" zur Festivalmitte. Aber auch die Veranstaltungsreihe 'FilmemacherInnen an den Plattentellern' hat sich auch 2004 bestens bewährt.

 

Trailer

AGNÈS VARDA: VIENNALE WALZER

Ein erschöpfender, täuschend einfacher Essay zum komplizierten Verhältnis von Kino und wirklicher Welt in anderthalb Minuten. Ein blauer Kreisel dreht sich, nein, fünf bunte Kreisel drehen sich, auf einer spiegelnden Fläche mit einem Schmetterling, Ringelspieltöne weichen vertrauter Musik. Die Kamera schwenkt hoch, offenbart das regungslose Antlitz von Agnès Varda, auf die Bewegung hinunter blickend, und aus dem Off widersprechen ihre Gedanken den Strauß-Klängen, gleich doppelt, auf französisch und in sanft gebrochenem Deutsch: «Ah nein, nicht die Wiener Walzer … ich denke an Film, an das, was jeden Tag geschieht. Ich denke an Brot, an Salz, Erde, Korn, Brot, See, Salz.» Und es folgen die Bilder (und Klänge) zu diesen wesentlichen Dingen, eine kleine Abschweifung, in der jede Einstellung musikalisch in die nächste übergeht, und wo Zeit ist, einen zweiten Blick auf die Dinge zu werfen. Um sich zu versichern, und weil das Meer, das Brot, das Salz aus der Nähe betrachtet anders aussehen als aus der Ferne.

Aus einer trockenen braunen Scholle wird ein blühendes Feld, werden die Ähren, wird das Heu, wird ein Heuballen, dessen Rundung die Kamera spielerisch nachzeichnet. Das Brot, das Meer, das Salz … und ehe man sich versieht, endet der Gedankengang in einem Koan: «Wenn das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden?» Ein Schwenk von der leeren Salz-Scheibtruhe hinunter auf die Füße, wie um sich zu versichern, dass man noch auf dem Boden steht. Dann wieder das regungslose Gesicht. Es blickt hinunter. Ein rosa Kreisel liegt noch da, er hat inzwischen, während man im Kopf die Welt durchquert hat, längst aufgehört sich zu drehen.

AGNÈS VARDA: VIENNALE WALZER
F/A 2004, 2 Minuten
35mm/1:1,66/Farbe

Konzept und Realisation Agnès Varda
Produktion und Weltvertrieb Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien, T +43 1 526 59 47, office@viennale.at

AGNÈS VARDA
Geboren 1928 in Brüssel. Studium der Kunstgeschichte. 1954 drehte sie ihren ersten Kurzfilm, LA POINTE COURTE, und wird zu einer der führenden Vertreterinnen der Nouvelle Vague. Ihre Filme sind stark von sozialen und politischen Anliegen geprägt. 2006 widmete die Viennale gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum Agnès Varda und ihrem Ehemann Jacques Demy eine große Retrospektive.
Filme (Auswahl): CLÉO DE 5 À 7 (1961), LE BONHEUR (1964), LIONS LOVE (1969), SANS TOIT NI LOI (1985), JACQUOT DE NANTES (1991), LES DEMOISELLES ONT EU 25 ANS (1993), LES GLANEURS ET LA GLANEUSE (2000), LES GLANEURS ET LA GLANEUSE… DEUX ANS APRÈS (2002), LE LION VOLATIL (2003), YDESSA, LES OURS ET ETC. (2003), CINÉVARDAPHOTO (2004), LES PLAGES D’AGNÈS (2008).

Gäste

Die Viennale hieß 78 Filmgäste beim Festival willkommen, die allesamt vor bzw. nach dem Screening ihrer Filme für Publikumsfragen zur Verfügung standen. Darunter waren:

Lauren Bacall, Viennale 2004LAUREN BACALL
Der US-amerikanischen Schauspielerin Lauren Bacall widmete die Viennale ein Tribute. Dem Rat seiner Frau folgend, die ein Foto Bacalls auf dem Cover von «Harper’s Bazaar» gesehen hatte, castete Howard Hawks sie für TO HAVE ANDA HAVE NOT. Bacall und ihr Ko-Star Humphrey Bogart verliebten sich bei dieser Gelegenheit ineinander und heirateten 1945 – ein Traumpaar, das das Publikum in Scharen in die Kinos zu locken vermochte.

Nach CONFIDENTIAL AGENT spielte Bacall erneut mit Bogart in THE BIG SLEEP sowie in DARK PASSAGE und KEY LARGO. 1953 drehte sie ihre erste erfolgreiche Komödie, HOW TO MARRY A MILLIONAIRE mit Marilyn Monroe und Betty Grable. Im Jänner 1957, kurz nach Ende der Dreharbeiten zu DESIGNING WOMEN, starb Humphrey Bogart.
Nach einer langen Filmpause und glühenden Broadway-Karriere spielte sie in Barbra Streisands THE MIRROR HAS TWO FACES, was ihr 1997 den Golden Globe als beste Nebendarstellerin einbrachte.
 

Olivier Assayas, Viennale 2004OLIVIER ASSAYAS
Assayas Filme stehen, bei aller Eigenständigkeit, in der Tradition der Nouvelle Vague. An die Stelle der Orientierung am Kino Hollywoods ist der Bezug auf die Filme der französischen Vätergeneration getreten - und auf das asiatische Kino. Wenn man nach einem gemeinsamen Kennzeichen von Assayas’ Filmen sucht, dann drängt sich ein Begriff wie Ernsthaftigkeit oder Unerbittlichkeit auf. Die Probleme seiner Figuren, die die Last der Selbstexplorationen ihres Autors zu tragen haben, sind im Grunde stets existentiell.
Hannelore Elsner, Viennale 2004HANNELORE ELSNER

In den siebziger Jahren war Hannelore Elsner einer der Hauptprotagonistinnen des deutschen Autorenfilms. Nach der Geburt ihres Sohnes spielte sie in den achtziger Jahren in vielen beliebten Fernsehserien. Für ihre TV-Arbeit wurde Elsner mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 1999 spielte sie in DIE UNBERÜHRBARE, unter der Regie von Oskar Roehler, die Rolle der desillusionierten Schriftstellerin Hanna Flanders/Gisela Elsner und erhielt für ihre eindringliche Darstellung zahlreiche Preise und internationale Aufmerksamkeit.

Jean-Pierre Gorin, Viennale 2004JEAN-PIERRE GORIN

Dem französischen Filmemacher und Theoretiker Jean-Pierre Gorin widmete die Viennale in diesem Jahr eines ihrer Special Programs.
Als Mitherausgeber der "Le Monde"-Literaturbeilage trug Gorin mit seinen Artikeln wesentlich zur politischen und ästhetischen Diskussion der späten 60er Jahre bei. 1965 traf Gorin Jean-Luc Godard, gemeinsam gründeten sie die Gruppe "Dziga Vertov" und realisierten einige der einflussreichsten Arbeiten des politischen Kinos im Frankreich der späten sechziger Jahre: LOTTE IN ITALIA (1969), VLADIMIR ET ROSA (1971), TOUT VA BIEN (1972) und LETTER TO JANE (1972). 1975 nahm Gorin eine Einladung von der University of California in San Diego an, wo er auch heute noch einen Lehrstuhl inne hat. Er entwickelt in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Filmkritiker Manny Farber eine Folge beispielhafter Film-Lectures. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, in Hollywood Fuß zu fassen, widmet er sich dem Dokumentarfilm und realisiert eine Trilogie reizvoller Filmessays über das Leben in Southern California.

Hubert Sauper, Viennale 2004HUBERT SAUPER

Geboren wurde Sauper 1966 in Kitzbühel, Tirol. Er lebte in Großbritannien, Italien und den USA, studierte Filmregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien und an der Universität Paris VIII. Er spielte in diversen Kurzfilmen und zwei Spielfilmen mit. Sauper unterrichtet Film in Europa und den USA.

Saupers Dokumentation DARWIN'S NIGHTMARE gewann ein Jahr nach der Aufführung bei der Viennale den Europäischen Filmpreis und wurde für den Oscar nominiert.

 

Sujet

Sujet der Viennale 2004
Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

Photos

Sehen Sie hier eine Auswahl der schönsten Gäste- und Festivalfotos der Viennale 2004.

Rahmenprogramm

Laurel Bacall, Viennale 2004GALA FÜR LAUREN BACALL
In Anwesenheit des Tribute-Stargastes Lauren Bacall fand im Gartenbaukino eine Galavorführung von THE BIG SLEEP statt. Im anschließenden Gespräch mit Hans Hurch auf der Bühne des Gartenbaukions erzählte Bacall Anekdoten aus ihrer Hollywood-Zeit und ihrem Ehemann Humphrey Bogart.
The Melvins, Viennale 2004CAMERON JAMIE & THE MELVINS

Der Abend «Cameron Jamie&The Melvins» war eine Premiere in Österreich: Im Gartenbaukino zu Gast begleitete die legendäre US-Rockband The Melvins live drei Filme des bildenden Künstlers Cameron Jamie. Aufgrund des großen Andrangs musste eine Zusatzvorstellung angeboten werden.- In beiden Vorstellungen zeigte sich das Publikum außerordentlich begeistert.

Jean-Pierre Gorin, Viennale 2004WORKING CLASS LECTURE: JEAN-PIERRE GORIN

Um gegen den hierzulande exisitierenden Mangel an filmtheoretischem Diskurs ein Zeichen zu setzen, hat die Viennale eine neue Reihe, die sich mit dem Nachdenken und Sprechen über Film beschäftigt, begonnen: Unter dem Titel WORKING CLASS sollen ab 2004 jährlich Film Lectures angeboten werden, zu denen die Viennale einen prominenten Gast einlädt, der während des Festivals drei bis vier Vorlesungen hält.
Erster Gast der WORKING CLASS war der französisch-amerikanische Filmemacher und Theoretiker Jean-Pierre Gorin. Der legendäre Filmkritiker Manny Farber, der eng mit Gorin zusammenarbeitet, nennt den Franzosen «my twin-brain» und sagt über ihn: «An uncompromising critical predator, he will circle and circle his subject until he nails it. As a filmmaker, critic, teacher, he has a brilliant, deep grasp of moviemaking.»

Jean-Marie Straub, Daniele Huillet, Viennale 2004DISKUSSIONSRUNDE MIT STRAUB/HUILLET

Im Zuge der Retrospektive, die den Filmemachern Jean-Marie Straub und Danielle Huillet gewidmet war und mit ausgewählten Filmen von John Ford abgerundet wurde, fand eine Diskussionsrunde statt.
Am Podium saßen unter der Moderation von Hans Hurch neben Jean-Marie-Straub und Danièle Huillet die Filmemacher Harmut Bitomsky und Jean-Pierre Gorin sowie der Filmtheoretiker Tag Gallagher.

Gonzales, Viennale 2004GONZALES ALS ZENTRALE ERÖFFNUNGSACT

Als Opening-Act trat der der legendäre Underground-Entertainer Gonzales in der Zentrale auf und gab damit den Startschuss für eine Reihe von Musikevents im Rahmen des Festivals. Gonzales überraschte und begeisterte mit einem instrumentalen Pianokonzert, dem das Publikum nahezu andächtig lauschte.
 

 

Filmpreis

STANDARD-VIENNALE-PUBLIKUMSPREIS

Im Jahr 2004 ging der STANDARD-Viennale-Publikumspreis an:

LOS MUERTOS
Lisandro Alonso, Argentinien 2004

FIPRESCI PREIS

Im Jahr 2004 wurden folgende Filme mit dem FIPRESCI Preis ausgezeichnet:

LOS MUERTOS
Lisandro Alonso, Argentinien 2004
und
DOWN TO THE BONE
Debra Granik, USA 2004

Jury: Dana Linssen (Niederlande, NRC Handelsblad, De Filmkrant), Gabe Klinger (USA, 24FPS Magazine), H.C. Leitich (Österreich, Der Standard)

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 2004 ging der Wiener Filmpreis an:

DARWIN'S NIGHTMARE
Hubert Sauper, F/A/B 2004

Jury: Konstanze Breitebner (Schauspielerin), Andrea Maria Dusl (Autorin und Filmemacherin), Gerald Knell (Projektleiter Cinema Paradiso), Gunnar Landsgesell (Filmkritiker), Andreas Vitasek (Schauspieler, Kabarettist und Regisseur).

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