V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

Festivalarchiv 00

Festivalinfo

Die Retrospektive "Blacklisted - Movies by the Hollywood Blacklist Victims" im Jahr 2000 im Österreichischen Filmmuseum erfuhr starke Beachtung auch im Ausland. Zwei Opfer der Blacklist, die Schauspielerin Marsha Hunt und die Drehbuchautorin Norma Barzman waren in Wien zu Gast, ebenso wie die beiden Kuratoren der Schau, Thom Andersen und Noël Burch. Die Viennale-Fotoausstellung war der amerikanischen Fotografin und Filmemacherin Sharon Lockhart gewidmet und fand diesmal im MAK - Museum für Angewandte Kunst statt. Das Programm der Viennale 2000 umfasste neben Spielfilmen, Dokumentarfilmen und Kurzfilmen wieder zahlreiche Special Programs.

 

Trailer

MATTHIAS MÜLLER: BREEZE

Der Nachthimmel scheint zu schmelzen, nur einen Augenblick lang, erhitzt vom Licht des Filmprojektors, der den Spuren der Außenwelt seine Gewalt antut, der sie erst verinnerlicht, um sie anschließend abstrakt wieder nach außen zu werfen. Die Gewebe, die unbeschriebenen Stoffe geraten in Bewegung, in Unruhe versetzt von einer Brise aus dem Off, dem Jenseits des Bildes. Ein Spalt klafft auf im Bühnenvorhang, und eine weibliche Gestalt tritt vor, ein wenig scheu, mit toten Augen, als Negativphotographie, als «moving picture»: die anonyme Heldin eines Films, zur Aufführung bereit. Die Vorhänge und die Leinwände flattern im Wind und in der Tonspur, flackern im Puls des Lichts und der Montage: Fremde, gesichtslose Figuren, Wiedergänger einer längst vergangenen Kultur, erscheinen als Schemen, Silhouetten, vom Kino belichtet und verflacht, melodramatische Illusionen in 2-D. Und das Augenpaar einer Film-Diva, größer als das Leben selbst, richtet den Blick auf ein dunkles, unscharfes Gebiet, von dem es eigentlich nichts wissen dürfte, als wollte es bis auf die imaginäre andere Seite der Leinwand sehen.

Eine Minute Film als lyrisches Kondensat von 105 Jahren Kinogeschichte, sechzig Sekunden zaubertönender Assoziationsfilm um barfüßige Gräfinnen und rote Märchenschuhe, um «cat people» und «drama queens»: Alles fließt, wallt, weht, die Räume und Gesichter schillern in Nachtblau und Zartrosa, in Milchweiß, Nebelgrau und Sepia. Eine Schauspielerin, deren bewegtes schwarzweißes Lichtbild sich wie trocknendes Papier wellt, zieht den Vorhang wieder zu, entzieht sich den Blicken, die nach ihr greifen, die sie vereinnahmen, einnehmen, mit ihrer Lust zu vernichten drohen. Dem Entzug wird die Hingabe folgen, der Selbstverweigerung die Inszenierung: Eine Performance steht an, und der Voyeur, namenlos auch er, sitzt schon bereit, während sich hinter ihm der Vorhang öffnet und jene leere weiße Fläche freigibt, die sehnsüchtig auf Inschrift wartet, auf die gestaltlosen, fantasmatischen Botschaften, die die Projektion ihr einschreiben wird. Das Kino, aus der Ferne betrachtet, zugleich ganz nah, ganz gegenwärtig: ein Memo Book der gespenstischen Erotik filmischer Überwältigungsmöglichkeiten.

 

 

MATTHIAS MÜLLER: BREEZE

D/A 2000, 1 Minute
35mm/1:1,66/Farbe
Konzeption, Kamera und Realisation: Matthias Müller
Schnitt: Tom Mayer
Musik: Achnbach
Tonmischung: Dirk Schaefer
Produktion und Weltvertrieb: Viennale, Siebensterngasse 2, 1070 Wien,
T +43 1 526 59 47, office@viennale.at

MATTHIAS MÜLLER
Geboren 1961 in Bielefeld. Studiert Kunst und Germanistik in Bielefeld, danach Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Seit 1994 unterrichtet  er, u.a. an der Fachhochschule Dortmund. Zahlreiche preisgekrönte (Kurz-)Filme, darunter WANDERER IM NEBELMEER (1984), AUS DER FERNE / THE MEMO BOOK (1989), HOME STORIES (1990), SLEEPY HAVEN (1993), ALPSEE (1994), STERNENSCHAUER (1994), VACANCY (1998), PHOENIX TAPES (Co-Regie,  1999), NEBEL (2000).
Weitere Filme (Auswahl): PHANTOM (2001), BEACON (2002), MANUAL (2002/03), PLAY (2003), MIRROR (2003/04), ALBUM (2004), KRISTALL (2006), CONTRE-JOUR (2009), MAYBE SIAM (2009), METEOR (2011).

 

Sujet

 Viennale
Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

Filmpreis

WIENER FILMPREIS

Im Jahr 2000 ging der Wiener Filmpreis an:

THE PUNISHMENT
Goran Rebic, A 2000

Jury: Elisabeth Büttner, Christine A. Maier, Thomas Mießgang, Klaus Nüchtern, Barbara Pichler

FIPRESCI PREIS

Im Jahr 2000 ging der FIPRESCI Preis an:

SUZHOU HE
Lou Ye, China/D 2000

Jury: Marcel Martin (Frankreich, Jurypräsident), David Sterrit (USA), Mireya Castañeda Piñón (Kuba), Dita Rietuma (Lettland), Gerald Sturz (Österreich)

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